Gedanken über Drogenpolitik, Cannabis und die Legalisierung
8 Kommentare vom 03.04.2009
Wenn man Deutsche nach ihren Erfahrungen im Ausland befragt, dann erzählen fast alle vom letzten Besuch in Amsterdam.
Dabei sind bei den östlichen Nachbarn Deutschlands in den letzten Jahren blühende Hanf- Landschaften entstanden.
Grund genug für mich, sich einmal genauer mit der rechtlichen und gesellschaftlichen Lage von Cannabis und -konsumenten im Osten zu beschäftigen.
Den Anfang mache ich mit einem Interview über Cannabis in der tschechischen Republik, dass ich mit dem Chefredakteur der tschechischen Hanfzeitung Konoptikum geführt habe.
Steffen: Hallo Zbynek. Du bist der Chefredakteur von Konoptikum. Was ist Konoptikum?
Konoptikum Ausgabe 02/09Zbynek: Konoptikum ist das erste Hanfmagazin Tschechiens. Es ist der jüngere Bruder des Hanf Journals. Wir machen also auch Politik, wir diskutieren Drogenthemen, Drogenpolitik aber nicht nur in der Tschechischen Republik, sondern auch in einem weltweiten Kontext.
Wir bieten Tipps für Grower, berichten aber auch über die gesundheitsschädigenden Auswirkungen des Missbrauchs von Marihuana. Wir haben interessante Reportagen... Wir machen ein echtes Magazin "für die gesamte Hanfszene".
Steffen: Das ist ja eine schwere Zeitung. Habt ihr viel mehr Inhalt als das Hanf Journal?
Zbynek: Ja. Die Zeitung hat 36 Seiten.
Steffen: Jeden Monat?
Zbynek: Jeden zweiten Monat. Der Umfang ist auch wegen der vielen Werbung. Wir leben von den Anzeigen.
Steffen: Ihr seid für die Leser kostenlos?
Zbynek: Ja, wir sind ein kostenloses Magazin. Wir leben nur von den Anzeigen und ein paar freiwilligen Geldgebern.
Steffen: Könntest Du den Zuschauern ein wenig über die Cannabissituation in der Tschechischen Republik erzählen? Gibt es eine Art Legalisierungsbewegung oder braucht ihr vielleicht keine Legalizer?
Zbynek: Es gibt bei uns eine Menge Legalizer und eine starke Bewegung. Wir sind nur ein kleiner Teil der Szene.
Dabei ist die Situation in Tschechien eigentlich ganz gut. Wir haben relativ liberale Gesetze.
Die Regierung hat das Strafrecht gerade geändert, so dass man ab dem nächsten Jahr drei Cannabispflanzen für den Eigenbedarf anbauen darf, ohne dass es eine Straftat ist. Das ist dann nur eine Ordnungswidrigkeit.
Steffen: Das gilt für jeden?
Zbynek: Ja, für jeden.
Steffen: Auch für mich als Deutschen? Ich könnte also nach Tschechien kommen...
Zbynek: ...und baust deine drei Pflanzen an und das ist dann keine Straftat.
Steffen: Interessant!
Zbynek: Das bedeutet praktisch eine Entkriminalisierung, aber es gibt dennoch Schattenseiten, besonders für Homegrower.
Man darf nämlich nur 22 Joints besitzen oder 1 Gramm reines THC. Das bedeutet - Wenn man einen großen Bud abschneidet, dann war′s das... (mit der Straflosigkeit a.d.Ü.)
Es gibt also noch einige Lücken und wir wissen nicht, wie das alles im nächsten Jahr funktionieren wird.
Steffen: Wie ist denn die Polizei in Tschechien allgemein so drauf? Sind die eher wie in Bayern oder eher wie in Berlin?
Zbynek: Ich finde, sie sind erstaunlich entspannt. Es gibt aber auch einige Fälle in denen die Leute für die organisierte Kriminalität anbauen oder auch medizinisches Marihuana, die dann verhaftet werden.
Man muss also trotzdem vorsichtig sein, wenn man anbaut.
Steffen: Wenn ich Prag besuche? Wo kriege ich etwas zu kiffen?
Zbynek: Das ist wirklich einfach. In Prag kiffen viele Leute. Besonders in Bars musst du nur fragen und du kriegst was.
Aber es gibt keine Coffieshops oder offizielle Orte, an denen man Marihuana kaufen kann.
Steffen: Gibt es Probleme wenn man in der Öffentlichkeit einen Joint kifft?
Zbynek: Das ist ganz anders als im restlichen Europa. In Tschechien rauchen viele Leute in Bars - auch Joints.
Aber auch auf der Straße. Das ist anders als in Berlin - hier sieht man ja niemanden kiffen. In Prag oder anderen Städten in Tschechien ist das ganz normal.
Steffen: Gibt es eine Art Cannabistourismus, ähnlich wie in den Niederlanden?
Zbynek: Jedenfalls nicht so sichtbar...
Steffen: Dann aber jetzt, wenn die Leute dieses Video sehen :)
Zbynek: ...wer weiß? Aber so etwa ähnliches gibt es. So kommen zum Beispiel viele Briten zu uns, um Bier zu trinken oder um Gras zu kriegen.
Steffen: Ich habe gehört, Du bist einer der Organisatoren des Prager Global Marihuana March Events?
Zbynek: Eigentlich ich nicht persönlich. Wir unterstützen die Veranstaltung nur...
Steffen: Was heißt nur Unterstützen - Immerhin seid ihr das einzige Hanfmagazin.
Zbynek: Nein. Seit Ende letzten Jahres gibt es auch eine tschechische Ausgabe der Soft Secrets. Aber unser erstes halbes Jahr waren wir die Einzigen.
Steffen: Andere sehen die tschechische Republik also auch als Markt. Ein gutes Zeichen...
Weißt Du, was beim Global Marihuana March in Prag passieren soll?
Zbynek: Es wird Diskussionen geben, viele Leute aus der Szene, viele Experten, die darüber sprechen werden, wie man die Gesetze ändern kann.
Steffen: Wann wird der GMM in Prag stattfinden?
Zbynek: Am 9. Mai.
Steffen: Also am gleichen Tag, wie der Hanftag in Berlin. Vielleicht kann man ja eine Art Videoverbindung machen und wir können uns grüßen - globalisiertes Demonstrieren.
Wird es in Prag auch eine Demo geben?
Zbynek: Ja es wird eine Demonstration geben. Wir werden aber auch Marktstände und Bühnen in einem Park haben, mit Diskussionen, Musik und Workshops.
Steffen: Wie viele Leute erwartet ihr?
Zbynek: Im letzten Jahr waren mehr als 10.000 Besucher da. Wenn das Wetter also schön ist...
Steffen: Dann seid ihr also größer als die Hanfparade?
Zbynek: Ja, dass ist eine wirklich große Veranstaltung, mit Leuten aus ganz Europa.
Steffen: Prag ist an diesem Tag also eine Reise wert?
Zbynek: Ja klar doch.
Steffen: Glaubt ihm das!
Zbynek: Ich erwarte mehr als 10.000 Leute. Wir werden auch da sein und einen Stand betreiben. Wir werden Zeitungen verteilen und überlegen sogar eine Vaporizer-Ecke einzurichten, damit die Leute etwas über Schadensminimierung lernen.
Steffen: Ja, sicherer Konsum ist wichtig...
Haben wir irgendwelche Fragen vergessen? Ihr habt doch bestimmt Fragen. Dann fragt bitte. Zbynek ist jetzt noch zwei oder drei Tage in der Stadt, also fragt schnell, oder ich muss das per Email machen.
Wann kommst Du wieder nach Berlin?
Zbynek: Ich denke schon bald.
Steffen: Es gibt also Chancen auf einen weiteren Tagesrausch auf Englisch.
Vielen Dank für die Informationen. Viel Erfolg mit Eurer Zeitung und auf Wiedersehen!
Zbynek: Vielen Dank. Viel Glück für alle Leute in Deutschland. Macht′s gut!
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Für den Verlag Kiepenheuer & Witsch habe ich "Rauschzeichen" geschrieben.
»Für Interessierte und Laien ist ein bemerkenswert ausgewogen und aktuell verfasstes Buch zu Cannabis erschienen.« Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen
Seit es Menschen gibt, suchen sie den Rausch und die Extase. Drogen, Rauschmittel und bewusstseinsverändernde Substanzen begleiten uns seitdem durch die Jahrtausende.
Unter "Politik im Rausch" findest Du meine Gedanken über die deutsche Drogenpolitik.
Hier verrate ich mehr über Steffen Geyer. Woher komme ich? Was hat mich geprägt? Wo will ich hin? Dazu Infos über meine Seite, Erfolge und Rückschläge bei der Gestaltung, Benutzerrekorde und neue Features.
Informationen über Steffen Geyer und seine Webseite UsualRedAnt.de
In nur zwei Jahrzehnten hat sich das Internet zum beherrschenden Informations-Medium entwickelt. Allein mit der Toplevel-Domain .de existieren inzwischen mehr als 12 Mil. Seiten.
"Sehenswerte Webseiten" ist meine ganz persönliche Auswahl empfehlenswerter Webinhalte.
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Am 19.05.2008 wurde ich zu einer Geldstrafe verurteilt, weil ich auf der Hanfparade 2006 "illegal Cannabis angebaut" haben soll. Dabei handelte es sich um THC-armen Nutzhanf!
Hier dokumentiere ich den Prozess wegen des Anbaus von Cannabis am Brandenburger Tor.
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