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Gedanken über Drogenpolitik, Cannabis und die Legalisierung

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Mehr Drogentote durch (Heroin)Legalisierung?

4 Kommentare vom 11.12.2009

Bild - Gedenktag für verstorbene DrogengebraucherInnen Aktion zum Gedenktag für verstorbene DrogengebraucherInnen

Es gibt eine Reihe Fragen, die mir insbesondere von "Nichtkonsumenten" regelmäßig zu meinem öffentlichen Bekenntnis zur Legalisierung aller Drogen gestellt werden. Einige dieser Fragen möchte ich in Zukunft öffentlich beantworten.

Hallo Steffen.

Meiner Ansicht nach würde es durch die Legalisierung von Cannabis früher oder später dazu kommen, dass nicht nur Gras sondern irgendwann auch Heroin legalisiert wird.

Das Problem an der Sache: Ich glaube, dass, wenn eine solche Droge frei zugänglich wird, die Zahl der Drogentoten steigen wird.

Allein dadurch, dass das Verbot aufgehoben würde, würden sich viele Menschen dazu hingezogen fühlen, mal härtere Sachen auszuprobieren. Je mehr Menschen jedoch konsumieren, umso höher die Zahl der Toten, oder etwa nicht?

Gruß XXX

Drugs don't kill people - people do!

Deiner These die "Legalisierung führt zu mehr Drogentoten" muss ich widersprechen. Die meisten Wissenschaftler und praktisch alle Kriminalisten stimmen darin überein, dass die Mehrzahl der Drogentoten (mit Ausnahme der Selbstmorde durch bewusste Überdosierung) im Wesentlichen auf lediglich zwei Ursachen zurück zu führen sind.

Schwankende Wirkstoffgehalte und Streckmittel töten weit mehr Drogengebraucher, als die Toxizität (Giftigkeit) der verwendeten Rauschmittel.

Todesursache Wirkstoffgehalt - Wissen wann's zuviel ist

Anders als bei den legalen Rauschmitteln Tabak und Alkohol wissen die Konsumenten illegalisierter Drogen in der Regel nicht, welchen Wirkstoffgehalt ihr "Stoff" hat.

Substanz Wirkstoffgehalt
Min. Max.

Durchschnittliche Wirkstoffgehalte der Drogen in den Ländern der EU laut Drogen- und Suchtbericht 2009 der EMCDDA.

Cannabis 2,9% 13,3%
Heroin 8,6% 49,9%
Kokain 22,0% 54,8%

Das ist insbesondere dann gefährlich, wenn Marihuana, Koks und Co plötzlich wesentlich besser sind, als vom Nutzer erwartet.

Mag es bei Cannabis noch relativ harmlos sein, unbeabsichtigt mehr zu konsumieren, führt dies schon bei Alkohol schnell zu schweren Vergiftungen. Für die Konsumenten von Heroin oder GHB geht es bei schwankenden Wirkstoffgehalten jedoch buchstäblich um Leben und Tot!

Eine Legalisierung würde gerade den Konsumenten risikoreicher Substanzen die Möglichkeit geben, bewusster zu Dosieren und damit die Überlebenswahrscheinlichkeit drastisch steigern.

Todesursache Streckmittel - Krank aus Profitgier

Wenn Du die Wahl hättest, entweder einen deutschen Supermarkt-Vodka oder einen "sibirischen Schwarzgebrannten" mit mir zu trinken. Was würdest Du wählen?

Ich wette, dass wir bei einem Glas staatlich geprüftem Alkohol über den letzten Glykolskandal quatschen würden. Oder über den tragischen Verlauf einer Klassenfahrt mit türkischem Schwarzmarktschnaps, der unlängst die Medien beschäftigte.

Etikettenschwindel, Gepansche und gefährliche Profitgiertricks gibt es bei jedem "heimlichen Geschäft". Völlig zurecht bevorzugen deshalb die meisten Konsumenten die vermeintliche Sicherheit behördlich genehmigter Rauschquellen.
Für illegalisierte Substanzen gibt es dies jedoch nicht. Auf dem Schwarzmarkt müssen Konsumenten sich deshalb mit ihren fünf Sinnen, Vertrauen und gesundem Menschenverstand behelfen.

Trotzdem oder gerade deshalb ist ein großer Teil der körperlichen Langzeitschäden durch Drogenkonsum und eine ebenso große Zahl an Drogentoten auf die gesundheitsschädigenden Effekte der Streckmittel und Beimengungen zurück zu führen.

Kiffer in Lebensgefahr

Selbst die Konsumenten des vergleichsweise harmlosen Cannabis müssen sich seit ein paar Jahren Gedanken über schwere körperliche Schäden machen.

Spätestens die mit über 100 Opfern medienwirksame Bleivergiftungswelle unter kiffenden Leipzigern hat weiten Teilen der "nichtkonsumierenden" Bevölkerung gezeigt, dass Prohibition, Substanzfaschismus und Drogenverbote den Konsumenten illegalisierter Substanzen eine lebensbedrohliche Hypothek auferlegen.

Die Folgen spüren indes längst nicht nur die "User". Wenn jemand mit Bleivergiftung, Gelbsucht, Silikose oder einer der vielen anderen Streckmittelfolgeerkrankungen im Krankenhaus landet, zahlen wir alle für die Folgen der falschen Drogenpolitik!

Legalisierung = Qualitätskontrolle = weniger Drogentote

Selbst wenn (und es gibt gute Gründe das Gegenteil zu erwarten, aber das ist ein Thema, dass wir einander mal diskutierten können) die Zahl der (beliebige Droge einfügen)-Konsumenten nach ihrer Legalisierung steigen würde, sind sinkende Drogentotenzahlen zu erwarten, weil die Qualität des Stoff, seine Reinheit und die Vorhersagbarkeit der Wirkung steigen würden.

Wer bei Verstand ist und um die Gefahren der Überdosierung weiß, weil ihn z.B. die Packungsbeilage informiert, wird seltener "zuviel" konsumieren. Wer sauberen Stoff bekommt, lebt gesünder.

Unbeabsichtigte Überdosierung und gesundheitsschädliche Streckmittel liegen nicht in der "Natur der Droge", sondern sind direkte Folgen der Astinenzpolitik.

Wer Drogenelend verhindern will, muss legalisieren!


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13.01.2010 um 12:59 Uhr | Kommentar von risinger
Für die kontrollierte Abgabe von Heroin steht einerseits der Schutz des "Patienten" andererseits die Zerstörung krimineller Strukturen. Nur durch überwachte Qualität sind Beimischungen und Überdosierungen fast ausgeschlossen. Die meisten Heroin-Toten sterben übrigens an einer Überdosierung weil sie zufällig reineren Stoff als sonst bekommen haben. Dieses Risiko wäre mit Wirkstoffgehalt-Angaben beseitigt.
Allerdings wäre ich sehr vorsichtig damit, Heroin etwa in Coffeeshop-ähnlichen Einrichtungen zu verkaufen. Heroin mag jetzt "stigmatisiert" sein, um mal meinen Vorredner zu zitieren, man stelle sich aber vor heroin würde in der gleichen Einrichtung wie Cannabis verkauft werden.
Das, denke ich würde bei vielen(vor allem Heranwachsenden) ein falsches Bild der Droge vermitteln (da hilft auch keine noch so gute Aufklärung).
Manche denken da anders, aber ich bin schon für eine Trennung zwischen so genannten weichen und harten Drogen.Ich weiß ein klare Trénnung ist auch schwierig, denn wo zieht man die Grenze. Beim Heroin allerdings bin ich mir sicher, daß nur ganz ganz wenige Menschen einen vernünftigen Umgang damit schaffen und deshalb gehört es meiner Meinung nach in die Apotheke. Allerdings zum selber zahlen und nicht auf Krankenkassenrechnung bitteschön.(Ja, auch ein Junkie kann arbeiten wenn er seinen Stoff hat und nicht den ganzen Tag damit verbringen muss "irgendwo was aufzustellen")
Mit dieser Regelung würde man ausserdem dem Schwarzmarkt jede Menge Geld entziehen, was ja auch nicht unbedingt ein Nachteil wäre.
Also dann
Cannabis für Alle!!!ab 18
Brown Sugar für die Apo!!!

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