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Cannabiskultour - 100 Aktionen zur Förderung der Hanfkultur in Deutschland
Gedanken über Drogenpolitik, Cannabis und die Legalisierung
4 Kommentare vom 29.07.2010
Am 07.August findet in Berlin die 14. Hanfparade statt. Für die Augustausgabe des Hanf Journals habe ich meine ganz persönliche Sicht auf die Geschichte Deutschlands größter Legalisierungsveranstaltung niedergeschrieben.
Nachdem ich im ersten Teil über die Geschichte der Hanfparade 1997-2000 berichtete, die ich "nur" als Besucher erlebte und in Teil 2 über die Hanfparaden der Jahre 2000-2005 den Kampf auch mit eigenem Engagement unterstützte, will ich heute, im letzten Teil der Artikelserie, einen Blick auf die jüngere Geschichte der Hanfparade werfen.
Nutzhanf auf der Hanfparade 2006 (große Version)
Die Hanfparade, die in ihren Anfangsjahren noch zehntausende auf die Strasse brachte musste seit der Jahrtausendwende vielerlei Rückschläge einstecken.
Trauriger Höhepunkt dieser Entwicklung war das Verbot der Abschlusskundgebung der Hanfparade 2005. Durch die nur wenige Tage vor der Veranstaltung ergangene Entscheidung des Berliner Umweltamtes stand der Verein Bündnis Hanfparade e.V. mit dem Rücken zur Wand.
Der finanzielle Kollaps, so war allen Beteiligten klar, würde sich nur dann abwenden lassen, wenn die Hanfparade 2006 ein dreifacher Erfolg würde. Unsere Ziele hießen mehr Teilnehmer, mehr Sponsoren, mehr Medienecho.
Im Frühling 2006, dass es eine 10. Hanfparade unter dem Motto "Legalisierung Jetzt! Umdenken statt Milliarden verschenken!" geben würde, stand längst fest, hatte Torsten eine Idee, die so verrückt war, dass wir sie einfach durchziehen mussten. Und so wuchsen unter Uckermärker Sonne 10.000 Hanfpflanzen heran, mit denen wir das Brandenburger Tor begrünen wollten.
Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass es harte Arbeit war, die Polizei und die Versammlungsbehörde von diesem Plan zu überzeugen, aber irgendwie gelang es, dieses und tausend andere Probleme zu lösen und drei LKW-Ladungen lebende Hanfpflanzen zum "Heiligtum deutschen Patriotismus" zu bringen.
Für 24 Stunden ging alles gut, doch dann kam Kriminalkommissar Freund (ja so hieß der wirklich), der hinter den harmlosen Nutzhanfpflanzen groß angelegten Drogenhandel vermutete.
Mit Taschenmessern, Sägen und Heckenscheren gingen die Polizisten daraufhin ans Werk und vernichteten mit dem mobilen Feld die letzten Hoffnungen des Bündnis Hanfparade.
Dass wieder nur wenig mehr als 1.500 Teilnehmer den massiven Kontrollen trotzten, geriet angesichts des grün-weißen Ernteeinsatzes zur Nebensache.
Als Leiter der Versammlung flatterte mir wenige Tage später eine Anzeige "wegen des illegalen Anbaus von Cannabis am Brandenburger Tor" ins Haus. Als Vorstand des Bündnisses hatte ich darüber hinaus das zweifelhafte Vergnügen unsere Gläubigern und das Finanzamt über unsere Zahlungsunfähigkeit zu informieren.
Die Hanfparade 2006 war ein Medienspektakel, noch heute wird das Video der Polizeiaktion jeden Tag rund 100mal angesehen, und doch war sie der Tiefpunkt meiner Bemühungen um einen legalen Hanfmarkt.
Ich war vom Besucher über den "Job" als Bühnenordner zum Versammlungsleiter der Demonstration geworden und sollte nun ihr Totengräber sein. Die Hanfparade war doch tot oder nicht?
Flyer der Hanfparade 2007 (große Version)
Noch im Frühling 2007 sah es so aus, als würde es in Berlin keine Legalisierungsdemo mehr geben, doch ein kleiner unbeugsamer Haufen wollte der bereits beerdigten Idee von der Straße als demokratischer Bühne neues Leben einhauchen.
"Gegen Gift im Gras!" zogen Tribble und seine Mitstreiter zu Felde. Legaler Eigenanbau sollte die Konsumenten vor der Profitgier des Schwarzmarktes schützen.
Dank der Unterstützung des Hanf Journals, dass mit "Vibez to Legalize" eine für alle Teilnehmer kostenlose Afterparty im YAAM auf die Beine stellte, gelang es selbst ohne große Mobilisierungskampagne endlich wieder mehr Menschen zur Hanfparade zu bewegen.
Ok, mit rund 2000 Teilnehmern war die Parade immer noch weit von der Beteiligung in der guten alten Zeit entfernt, aber mit viel mehr Zuspruch hatte im neuen Team keiner gerechnet. Immerhin standen nur 700,- Euro zur Verfügung. Ein Betrag, der in den ersten Jahren noch nicht einmal für die Miete der nötigen Dixiklos gereicht hätte.
Leittransparent der Hanfparade 2008 (große Version)Die Hanfparaden der Jahres 2008 und 2009 sind schnell erzählt. Nur langsam wuchs das Vertrauen der Sponsoren in das neue Organisatorengespann, ebenso langsam wuchsen auch die Teilnehmerzahlen. Vom rauschenden Fest der Neunziger ist die Hanfparade noch immer weit entfernt und doch blicken wir Organisatoren mit Zuversicht auf den 7. August.
Gegen alle Widerstände, trotz Polizeischikanen und Behördenwillkür hat sich die Hanfparade im politischen Kalender der Hauptstadt festgebissen. Drei Generationen Hanfbegeisterte haben die Hanfparade am Leben gehalten, haben geschwitzt, geschuftet, geflucht und geweint, damit ihr ein fröhliches Politspektakel genießen könnt. Ich bin stolz darauf, Teil dieser Geschichte zu sein.
Als ich mich 1997 mit ein paar Freunden auf den Weg nach Berlin machte, hätte ich mir nicht träumen lassen, eines Tages auf zehn Jahre Arbeit für die Legalisierung und 14 Hanfparaden in Berlin zurück zu blicken. Wenn ihr den Mut habt, dem Schicksal eine Chance zu geben, wer weiß, wohin euch ein Besuch der Hanfparade führen wird?
Dank "Medical Marjuana" und kalifornischen Legalisierungsträumen ist auch in Deutschland manche Tür wieder einen Spalt geöffnet, die für Hänflinge lange fest verschlossen war. Sie zu durchschreiten, die Freiheit für die Kulturpflanze Cannabis zu erkämpfen, das können wir nur gemeinsam.
Die Hanfparade am 07.August 2010 mag nicht so groß, so bunt oder so toll sein wie "früher", doch heißt es nicht: "Der Zwerg auf dem Kopf des Riesen sieht weiter als dieser"!?
Das Web2.0 lebt davon, dass Nutzer ihre Freunde und Bekannten auf Interessantes aufmerksam machen. Kleine Webschreiberlinge, wie ich einer bin, sind auf diese Form der "Mund zu Mund"-Propaganda doppelt angewiesen, weil das Geld für klassische Werbung fehlt.
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Für den Verlag Kiepenheuer & Witsch habe ich "Rauschzeichen" geschrieben.
»Für Interessierte und Laien ist ein bemerkenswert ausgewogen und aktuell verfasstes Buch zu Cannabis erschienen.« Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen
Im Fernsehen kommen Drogenkonsumenten fast nur als Kontrollopfer vor. Gegen dieses Klischee wehre ich mich mit Videos über Genuss, Drogenkultur und die Legalisierung von Cannabis.
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Ich stoße immer wieder auf Themen, über die ich zu wenig weiß. Dann frage ich Fachleute, Politiker und Aktivisten und führe Gespräche, die ich als Podcast veröffentliche.
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