Steffen Geyer UsualRedAnt Steffen Geyer - UsualRedAnt

Gedanken über Drogenpolitik, Cannabis und die Legalisierung

Weisheit des Tages
Der Mensch möchte vor den Folgen seiner Laster bewahrt werden, aber nicht vor den Lastern selbst....
Bookmark des Tages
Cannaseur.at - Das Hanfforum Cannaseur.at ist recht neu und kann deshalb noch nicht zehntausende...
Icon des News-Feeds: Drogen - Politik im Rausch

Kampf für das Recht auf Leben

7 Kommentare vom 01.07.2008

Teil 1 der Artikelserie über Cannabis als Medizin

Am 15.10.2008 werden im Gesundheitsausschuss des Bundestages Befürworter und Gegner einer Legalisierung von Cannabis als Medizin aufeinander treffen. Der für diesen Tag erwartete öffentliche Schlagabtausch wird der vorläufige Höhepunkt des jahrelangen Kampfes schwerstkranker Patienten, die sich von der "verbotenen Medizin Marihuana" Linderung ihrer Leiden versprechen.

Cannabismedizin in der Geschichte

Cannabis gehört zu den ältesten Heilpflanzen des Menschen. Schon vor mindestens 5.000 Jahren wurde es im alten China gegen Malaria, Rheuma und Menstruationsbeschwerden eingesetzt. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war es eine der meistverschriebenen Medikamente. Cannabis wurde gegen Schmerzen geraucht oder Wickel mit Hanfblüten gegen Entzündungen und Hautkrankheiten verordnet. Hanf half bei der Geburt und erleichterte die Stunden vor dem Tod.

Dennoch erklärte die Weltgesundheitsorganisation WHO 1954, dass Cannabis keinerlei therapeutischen Nutzen habe. Mit der Verabschiedung der "UN Single Convention on Narcotic Drugs" im Jahr 1961 wurde Cannabismedizin "endgültig" weltweit illegal. Auch in Deutschland durften Ärzte ihren Patienten fast 40 Jahre keine Cannabismedikamente verschreiben.

THC wird legales Medikament

Marinol - Medikament aus sythetischem THC Marinol, wie es in den USA erhältlich ist

Am 01.02.1998 trat jedoch eine Änderung des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) in Kraft die dies ändern sollte.
Auf Druck der USA hatte die damalige CDU-FDP-Regierung unter Helmut Kohl den Cannabishauptwirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) aus der Anlage I des BtMG (nicht verkehrsfähige Betäubungsmittel) gestrichen und in die weniger streng reglementierte Anlage III (verkehrsfähige und verschreibungsfähige Betäubungsmittel) aufgenommen. Durch diesen Schritt sollte es möglich gemacht werden, dass Medikament Marinol zu importieren.

Marinol ist ein Produkt der US-Firma Solvay Pharmaceuticals und besteht zu mehr als 90 Prozent aus THC. Der Hersteller bewirbt es mit den Worten:

"Marinol is not marijuana. Marinol does not contain the additional chemicals and impurities associated with marijuana."
(etwa: Marinol ist kein Marihuana. Marinol enthält keine der anderen Chemikalien und Verunreinigungen die man mit Marihuana verbindet.) Solvay Pharmaceuticals Inc.

Probleme mit Marinol und Dronabinol

Und genau darin liegen die Stärken und Schwächen des Medikaments. Einerseits machte es die Beschränkung auf den Hauptwirkstoff überhaupt erst möglich, dass das Medikament die Zulassung der US Food and Drug Administration (FDA) erhielt. Es darf in den USA legal bei AIDS- und Krebspatienten gegen Gewichtsverlust und Übelkeit im Rahmen einer Chemotherapie eingesetzt werden.
Andererseits war schon bei der Markteinführung klar, dass Marinol deutlich schlechter und bei weniger Patienten wirkt, als natürliches Cannabis. In diesem sind nämlich neben THC noch mindestens 60 andere Cannabinoide enthalten, die ebenfalls am Therapieergebnis beteiligt sind.

Seit der Gesetzesänderung von 1998 wird in Deutschland ein Marinol sehr ähnliches Präparat verkauft, das den Namen Dronabinol trägt. Für Dronabinol wird das Cannabidiol (CBD) aus THC-armem Nutzhanf extrahiert und chemisch in THC umgewandelt. Allerdings ist Dronabinol kein "ordentliches Arzneimittel" und deshalb nicht im Leistungskatalog der Krankenkassen enthalten. In aller Regel weigern sich deshalb die deutschen Krankenkassen die Kosten einer Dronabinolbehandlung zu bezahlen, die sich immerhin auf 300-600 Euro pro Monat belaufen.

Zum Problem der schlechteren Heilungsquote von THC-Präparaten im Vergleich zu natürlichem Cannabis kommt so auch noch ein finanzielles. Viele Patienten können sich Dronabinol schlicht nicht leisten. Wer an Krebs, AIDS, Multiple Sklerose oder Epilepsie leidet, kann fast nie über Managergehälter verfügen. Meist müssen die Betroffenen mit Harz IV oder einer Berufsunfähigkeitsversorgung auskommen.

Die legale Versorgung mit THC blieb so für die meisten Patienten ein Traum.

Weitere Texte der Reihe "Cannabis als Medizin"

Teil 2: Wenn Krankenkassen töten - Dronabinol ein 2-Klassen-Medikament? Warum 1g sythetisches THC soviel kostet wie 5g natürliches THC, Lebensbegrenzung durch Verhungern - wie Dr. Gastmeier gegen die AOK kämpft, Kassengeiz kostet Menschenleben.


Become Social - Deine Stimme für mehr Leser!

Das Web2.0 lebt davon, dass Nutzer ihre Freunde und Bekannten auf Interessantes aufmerksam machen. Kleine Webschreiberlinge, wie ich einer bin, sind auf diese Form der "Mund zu Mund"-Propaganda doppelt angewiesen, weil das Geld für klassische Werbung fehlt.

Wenn du meine Arbeit magst, dann kannst du mit einem Tweet oder Yigg dafür sorgen, dass mehr Menschen diesen Artikel lesen.


Aktuelle Lesermeinungen

11.05.2010 um 04:12 Uhr | Kommentar von Wilfried Horstkötter
Noch immer geht unsere Gesellschaft am Alkoholismus zugrunde, aber die Kiffer... die jagen SIE! Das ist absurd. Nikotin als Einstiegsdroge ist leicht zu beschaffeb. Auch für Minderjährige!!! Die Konsequenz: FREIHEIT FÜR ALLE! Drogen legalisieren!!!
05.05.2010 um 09:45 Uhr | Kommentar von Steffen
Ola Gerd!

Es geht bei der Legalisierung NICHT darum, eine "neue" Droge auf die Leute loszulassen. Sie ist längst hier! Cannabis ist seit tausenden Jahren Teil unserer Gesellschaft und wird aktuell von rund 4 Millionen Deutschen genutzt.
Deine Angst, dass wesentlich mehr Menschen zu legalem Cannabis greifen würden, halte ich für unbegründet. So ist der Anteil der Kiffer z.B. in den Niederlanden deutlich geringer als in den USA, obwohl die Niederlande ein vergleichsweise liberales Drogenrecht haben, während in den USA harte Strafen drohen.

Im Übrigen werden Drogen (auch Alkohol) nicht harmloser, wenn man sie verbietet. Eher ist das Gegenteil der Fall, weil der Schwarzmarkt weder Qualitätskontrollen, noch Jugendschutzvorschriften kennt. Streckmittel, soziale Ausgrenzung und eine höhere Angstschwelle, die zur Inanspruchnahme von Hilfsangeboten überwunden werden muss, sind ebenfalls negative Folgen der Kriminalisierung des Umgangs mit Drogen.

Sicher gibt es mit dem legalen Suchtmittel Alkohol Probleme - Der Blick auf die Prohibition in den USA lehrt jedoch, dass sich diese Probleme bei einem Alkoholverbot noch drastisch verschlechtern können! Lieber legal Saufen/Kiffen/Sniefen und wir können alle gemeinsam auf die Betroffenen achten, als heimlich illegalisierte Stoffe konsumieren und alleine in der Gosse oder im Bahnhofsklo verrecken, oder?

Mit hanfigen Grüßen
Steffen

Alle Kommentare lesen

Es gibt noch mehr Kommentare zu diesem Artikel. Ich empfehle Dir, bevor Du selbst kommentierst, erst einmal alle Kommentare zu lesen. Natürlich kannst Du auch gerne sofort los kommentieren :)

Eigenen Kommentar abgeben

Deine Meinung ist hier ausdrücklich erwünscht. Sag mir in einem Kommentar, was Du von diesem Artikel hältst, gib Tipps für Recherchen oder schlage neue Themen vor!

Kommentarfunktion

Diese Felder kannst Du leer lassen




- Hier muß was stehen :)

Wegen andauernder Versuche, die Kommentarfunktion für allerlei Angriffe auf meine Seite zu nutzen, mußte ich die Nutzung von HTML in den Kommentaren leider deaktivieren.

Wenn du interessante Links oder Bilder zum Thema hast, dann kopiere bitte die URL in den Kommentar. Ich wandle deine Empfehlung dann händisch in klick- bzw. ansehbare Inhalte um ;)


Spamschutz - Bitte die Ziffer sieben eintragen.

Weitere Seiteninhalte

Ergänzende Funktionen

↑↑ Zurück nach oben! ↑↑