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Gedanken über Drogenpolitik, Cannabis und die Legalisierung

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Was macht ein Hanfaktivist?

2 Kommentare vom 14.07.2010

Den heutigen Tagesrausch verdankt ihr Pascal aus Dresden, der mir per Email eine handvoll Fragen gestellt hat, die ich öffentlich beantworten möchte.

Pascal wollte wissen: Was genau macht man als Hanfaktivist? Gibt es nicht bessere Sachen für die man sich einsetzen kann? Konsumierst du Cannabis? Wenn ja wie? Wie wirkt Cannabis wenn man es Konsumiert hat? Baust du Hanf an? was sagst du zu Produkten wie z.B. Hanfschokolade, Hanflollys und anderen?

Auf Los geht´s los :)

Was genau macht man als Hanfaktivist?

Meine wichtigste Funktion als "Hanfaktivist" ist es, Informationen über Drogen, Drogenpolitik und ihre Auswirkungen auf Konsumenten wie Gesellschaft zu sammeln, verständlich aufzubereiten und die Ergebnisse meiner Arbeit zu verbreiten. Das ist insbesondere für Journalisten und Politiker wichtig, da die sonst in aller Regel sehr einseitig aus prohibitionistischer Sicht informiert werden.

Mit meinen Artikeln und Videos versuche ich Themen zu lancieren oder im Gespräch zu halten, was mir im Vergleich zur millionenschweren Konkurrenz ala "Keine Macht den Drogen" aber zugegeben schwer fällt.

Ein wichtiges Werkzeug für die Einmischung in die politische Diskussion ist Öffentlichkeitsarbeit, die ich auf sehr unterschiedlichen Ebenen z.B. als Flyerkampagne, in Form von Demonstrationen oder Einzelaktionen plane und durchführe.

Demos wie der Hanftag oder die Hanfparade liegen mir dabei besonders am Herzen. Ihnen widme ich einen wichtigen Teil meiner Zeit.

Darüber hinaus halte ich Reden auf anderen Veranstaltungen, zuletzt z.B. auf der Megaspree-Demo, halte Vorträge an Unis und Schulen oder besuche "szenetypische Veranstaltungen", also Netzwerktreffen, Kongresse oder Hanfmessen.

Last but not least ist Beratung und Hilfe für Konsumenten, ihre Freunde und Angehörigen ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit als Hanfaktivist. Ich berate Konsumenten bei Problemen mit Cannabis oder staatlichen Stellen, gebe Rechtstipps und informiere über Safer User.

Beinahe ebenso wichtig wie die Konsumentenberatung ist für mich das Gespräch mit den Angehörigen und anderen Nichtkonsumenten. Ein Großteil der Ängste, die bestehen wenn Eltern vom Cannabiskonsum ihrer Kinder erfahren, können im persönlichen Gespräch zwischen Konsument und Angehörigen ausgeräumt werden. Dafür ist es aber nötig, dass Eltern ihre Kinder "auf Augenhöhe" behandeln und auch ihr eigenes Suchtverhalten hinterfragen. Damit solche Gespräche möglich werden, biete ich Eltern die Möglichkeit sich "fachmännisch" und vergleichsweise anonym über Cannabis, die Risiken des Konsums und Hilfsangebote zu informieren.

Wenn die Probleme akut sind oder mein Wissen bzw. meine Möglichkeiten übersteigen, dann bin ich sehr oft in der Lage, kompetente Ansprechpartner zu vermitteln. Betroffene Konsumenten können so von meinem Kontaktnetzwerk in der Szene profitieren und ersparen sich z.B. die mitunter mühsame Suche nach den regionalen Ansprechpartnern der Grüne Hilfe.

Gibt es nicht bessere Sachen für die man sich einsetzen kann?

Die Menschheit ist wahrlich nicht arm an Sorgen. Es gibt viele größere und kleinere Probleme, mit denen ich mich stattdessen beschäftigen könnte und doch bin ich drogenpolitisch aktiv - Warum? Weil ich glaube, dass der Krieg gegen Drogen ein Problem ist, das gerade noch so groß ist, dass ich etwas nennenswertes zu seiner Lösung beitragen kann.

Ich bin fest davon überzeugt, dass Drogenverbote mehr Probleme für Konsumenten und Gesellschaft schaffen, als es legale Drogen je könnten. Der Drogenkrieg ist eine humanitäre Katastrophe, die nur dann enden wird, wenn wir Konsumenten unseren Teil zum Frieden beitragen, nicht müde werden ihn einzufordern und jeden Tag für den Tag denken und arbeiten, an dem wir dieses dunkle Kapitel der Menschheitsgeschichte hinter uns gelassen haben werden.

Außerdem - gibt es etwas Besseres, als das Leben von 4 Millionen Cannabiskonsumenten allein in Deutschland und das ihrer Angehörigen zu verbessern ;)

Konsumierst du Cannabis? Wenn ja wie?

Ja ich konsumiere Cannabis und zwar gelegentlich - Genauer sollte mal diese Frage nie beantworten, weil "mehr als gelegentlicher Konsum" dazu führen könnte, dass die Führerscheinstelle vermutet, man sei "charakterlich ungeeignet ein KFZ zu führen".

Wenn, dann konsumiere ich Cannabis bevorzugt in Form von Marihuanajoints. Ab und zu nutze ich auch meinen Vaporizer, als alter Nikotinjünger fehlt mir dann aber der Tabak. Noch seltener komme ich in den Genuss von Haschischplätzchen. Die zeitversetzte Wirkung macht mir da aber die Dosierung schwer, weshalb das auf Dauer nix für mich wäre.

Wie wirkt Cannabis wenn man es Konsumiert hat?

Cannabis wirkt im Allgemeinen als Stimmungsverstärker. Es klappt also nicht, sich aus einer schlechten Stimmung in einen euphorischen Zustand zu kiffen.

Viele, auch ich nutzen es als Entspannungsdroge.

Der Genuss von Haschisch macht mich dabei zu oft "körperlich" schlapp - das nennen "wir Profis" stoned. Dieser Effekt liegt daran, dass Haschisch oft aus "Indica-Sorten" gemacht wird, die einen höheren Anteil Cannabidiol (CBD) haben, das eher sediert und entkrampft. Ich persönlich kann dem "High" von Marihuana mit hohem "Sativa-Anteil" und seiner anregenden, die Kreativität weckenden Wirkung mehr abgewinnen.

Baust du Hanf an?

Nein. Ich habe einen gelben Daumen und mit Cannabispflanzen nur zu tun, wenn ich einen Hanfbauern besuche oder den Showroom im Berliner Hanf Museum bewundere.

Was sagst du zu Produkten wie z.B. Hanfschokolade, Hanflollys und anderen?

Lebensmittel aus Hanf unterscheidet man prinzipiell in solche mit THC und THC-freie. Die Hanfprodukte die man in Reformhäusern oder Headshops kaufen kann, sind allesamt THC-frei. Eine Rauschwirkung erzielt man mit ihnen also nicht, selbst wenn man gewaltige Mengen konsumieren würde.

Hanf ist als Nahrungsmittel aber auch ohne THC ein echter Gewinn an Lebensqualität. Insbesondere die Samen sind sehr wertvoll, weil sie einen sehr hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren haben. Dazu kommt, dass Hanfsamen reich an Gammalinolensäure sind, aber das ist ein anderes Thema.

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31.07.2010 um 21:36 Uhr | Kommentar von Tanja & Wolfi aus Muenchen
Hallo zusammen,

ich finde es wundervoll, dass es Menschen wie Dich / Euch gibt, so sind wir nicht allein. Gerade fuer uns hier in Bayern wird es zunehmend unzumutbar. Wir sind dabei, nach Amsterdam zu gehen und dort neu anzufangen. So weit sind wir schon...
Als ich Deine Seite durchlas, erkannte ich...man koennte irgendwie auch als Cannabisaktivisten bezeichnen, wenngleich wir noch dabei sind, anzufangen mit dem Durchstarten. Da wir in Bayern leben, hat sich in den letzten Monaten viel getan...haben wir die Konsequenzen gezogen! Mehr auf unserer Website.

Wir wuerden uns freuen, Eure Unterstuetzung zu erhalten oder Feedback!

Viele Gruesse,
Tanja & Wolfi
15.07.2010 um 16:17 Uhr | Kommentar von Marcus
Ich will ja nicht auf paranoid machen...

aber in manchen Bundesländern könnte das wohl "gelegentlich" schon zu viel sein...

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