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Steffen Geyer UsualRedAnt Steffen Geyer - UsualRedAnt

Gedanken über Drogenpolitik, Cannabis und die Legalisierung

Weisheit des Tages
The only thing that can save the world is the reclaiming of the awareness of the world. That's what poetry does. (Allen Ginsberg)
Icon des News-Feeds: Drogen - Politik im Rausch

Legalisieren? Ich kiff doch gar nicht!

5 Kommentare vom 03.07.2010

Mehr als 130.000 Mal wurden im Jahr 2009 von deutschen Polizisten Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) festgestellt, bei denen es lediglich um Cannabis ging.

Flyer der Hanfparade 2010 - Vorderansicht Flyer der Hanfparade 2010

Die Regierung, allen voran Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Mechthild Dyckmans (FDP), war bei der Vorstellung dieser Zahlen im Rahmen der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) bemüht, dies als Erfolg zu verkaufen.

In Wahrheit zeigen die Zahlen (102 096 Fälle von Cannabisbesitz, 27 823 Mal Cannabishandel, 1 044 Mal Cannabiseinfuhr) nicht mehr und nicht weniger als das Scheitern des fast 40 Jahre dauernden Prohibitionsexperiments.

Die (nichtkiffende) Bevölkerungsmehrheit ist überzeugt, das Verbot sei unumgänglich und würde Schlimmeres verhindern. Ihr eigenes Leben sehen sie von der Jagd auf die 4 Millionen Cannabiskonsumenten des Landes nicht betroffen. Dabei leisten wir alle unseren Beitrag zur Kifferhatz. Jeder! Und zwar täglich!

"Ich hab doch nix gegen Kiffer?" wird der eine oder andere Leser jetzt empört einwerfen wollen und dies mag im Privaten sogar der Wahrheit entsprechen, wenn auch meine persönlichen Erfahrungen mit den vielfältigen Kifferklischees der wohlmeinenden Bevölkerungsmehrheit eher dagegen sprechen. Doch selbst wer nicht selbst gegen Cannabiskonsumenten aktiv wird, ist Teil des Kriegs gegen Drogen.

Wieviel zahlst du für die Kifferjagd?

Wir alle, sogar wir Wenigen, die wir aktiv für eine Legalisierung streiten, bezahlen Polizisten, Staatsanwälte und Richter dafür, dass der Krieg gegen Cannabis weiter geht. Vom Bürokratiemonster Nutzhanfanbaugenehmigungsverfahren bis zum Polizeiknüppel, vom Drogenspürhund bis zu den Inhaftierungskosten kommt da so einiges zusammen - Mindestens 2 Milliarden Euro (2.000.000.000!!!) Jahr für Jahr. Und das ist längst noch nicht alles.

Wenigstens genauso viel Geld lassen wir Steuerzahler uns durch die Lappen gehen! Jedes verkaufte Gramm, und deutsche Kiffer verbrauchen mindestens 400.000.000 Gramm Haschisch und Marihuana pro Jahr, würde in einem legalen Hanfmarkt mit Genussmittel- und Mehrwertsteuer zum Gemeinwohl beitragen. Legale Hanfhändler und ihre Angestellten sowie die wohl mehr als zehntausend "Drogenhanf"bauern ihren Teil zu Renten-, Arbeitslosigkeits- und Krankenversicherung betragen.

Mit dem verschenkten Geld, insgesamt mindestens 4-5 Milliarden Euro pro Jahr, könnte man den Etat des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend glatt verdoppeln!
Stattdessen lassen wir jeden Tag mehr als 12 Millionen Euro in der Schattenwirtschaft versickern. Geld, dass Kindergartenplätze bezahlen könnte, wird so in Hände gegeben, die auch im Waffen- und Menschenhandel stecken.

Statt in saubere Schulen und motivierte Pädagogen investiert unsere Gesellschaft in Gangster, Gangs und Unterdrückung.

Leittransparent der Hanfparade 2008 - kleine Version Jugendschutz, Verbraucherschutz, Legalisierung - Leittransparent der Hanfparade 2008

Humanitäre Katastrophe Hanfverbot

Die Frage nach der Legalisierung von Cannabis ist aber nicht nur eine finanzielle - sie ist vor allem eine humanitäre!

In den knapp fünf Dekaden seines Bestehens hat das laute Schweigen der nichtkiffenden Bevölkerungsmehrheit wesentlich zur stetigen Eskalation des Kriegs gegen Drogen beigetragen. Inzwischen sterben jedes Jahr tausende Menschen bei bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Drogenproduzenten/-händlern und ihren Jägern.

Die wenigsten Opfer des "Kriegs gegen Drogen" waren selbst Täter - vielfach sind sie lediglich zur falschen Zeit am falschen Ort.

Die (Cannabis)Prohibition tötet, sie zerstört Existenzen, zerschlägt Familien, vernichtet mit wachsender Geschwindigkeit materielle wie immaterielle Werte. Und wofür?

Um erwachsene Menschen daran zu hindern, ein vergleichsweise harmloses Genussmittel zu konsumieren? Eine Droge zu nutzen, an der noch nie jemand starb? Um ein Verhalten zu ächten, dass die überwiegende Mehrheit der Nutzer von allein wieder aufgibt, wenn Karriere und Familie wichtiger werden? Etwas zu verbieten, dass jeder siebte Europäer tat oder tut?

Wir leben in einer Demokratie und sind zurecht stolz darauf. Denn Demokratie heißt, das Recht auf eine freie Wahl zu haben.

Unsere Drogenpolitik könnte freilich auch aus dem dunklen Alptraum eines Kim Jiong-il stammen. Was der einzig richtige Rausch ist, das bestimmen "die da oben". Wir Bürger sind zwar alt genug zu wählen und Steuern zu bezahlen, alt genug um in "umgangssprachlichen Kriegen" unser Leben zu verlieren, aber über den eigenen Körper entscheiden dürfen wir nicht.

Was uns gut tut und was uns schadet, dass weiß "Mama Merkel" viel besser als wir. Immerhin wird sie von Fachleuten und Spezialisten beraten oder nicht?

Drogenjäger ohne Fachwissen

Wissen sie wann zuletzt ein Fachpolitiker das Amt des Bundesdrogenbeauftragten inne hatte? Der letzte Suchtexperte in der Führungsriege des Gesundheitsministeriums? Raten sie mal? 1998, ´90, ´82?

Mechthild Dyckmans (FDP) - Drogenbeauftragte der Bundesregierung Mechthild Dyckmans (FDP) - Drogenbeauftragte der Bundesregierung

In Wahrheit waren schon an der Entstehung des Betäubungsmittelgesetzes 1970/71 kaum Profis beteiligt. Und mit seiner Durchsetzung und Ausgestaltung werden seit fast vier Jahrzehnten zumeist jene beauftragt, die sonst auch keine besonderen Fähigkeiten haben.

Um es klar zu sagen - nicht alle Drogenbeauftragten waren schlecht, nicht alles was von amtlicher Seite über Cannabis & Co. verlautbart wird, entbehrt jeglicher fachlicher Grundlage, aber:

Kein Mensch würde einen Klempner rufen, wenn der Computer spinnt und doch leisten wir Deutschen es uns, dass eine Verwaltungsrichterin ohne suchtpolitisches Hintergrundwissen über die "richtige" Präventionsstrategie entscheidet; dass die Pharmalobby in der Drogenpolitik mehr zu sagen hat, als der gesunde Menschenverstand und dass über das Wohl und Wehe der Millionen Konsumenten vor allem jene Entscheiden, die von ihrer Verfolgung profitieren.

Dieser Wahnsinn muss ein Ende haben! Alle freiheitsliebenden Menschen - egal ob Konsument, Angehöriger oder "ganz normaler Biertrinker" - alle denen Vernunft wichtiger ist als Ideologie und alle die sich über die Möglichkeiten der Kulturpflanze Hanf informieren wollen, rufe ich dazu auf, sich an der Hanfparade zu beteiligen.

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Aktuelle Lesermeinungen

21.01.2012 um 16:18 Uhr | Kommentar von Anonym
nicht so einfach, die Situation zu lösen ... Obwohl Holland und Kalifornien (USA) ... Das ist ein gutes Beispiel
06.08.2010 um 17:10 Uhr | Kommentar von Steffen
@Da Herb: Die Quelle für Repressionskosten und mögliche Steuereinnahmen ist eine Übersicht des Deutschen Hanf Verbandes, der sie aus den Statistiken anderer Ländern und wissenschaftlichen Studien schliesst. Die Übersicht des DHVs findest du unter http://hanfverband.de/themen/finanzielle_auswirkungen.html.

Informationen von amtlichen Quellen gibt es zu diesem Thema leider nicht. Die Bundesregierung weigert sich schlicht, sie zu erheben. In der Antwort auf eine entsprechende Anfrage der Linken im Bundestag antwortete die Regierung: "Da eine Legalisierung von Cannabis nicht zur Diskussion steht, sind die Kosten der Repression und eventuelle Steuereinnahmen unerheblich."
06.08.2010 um 16:56 Uhr | Kommentar von Da Herb
Auf welcher Grundlage berechnet sich denn die Zahl von 4-5 Milliarden Euro Steuergeldverlust durch die Bekämpfung von Cannabiskriminalität? Wer oder was ist die Quelle? Interessiert mich wirklich, der Text gibt leider keinen Aufschluss. Das hört sich für mich so Pi x Daumen an und geht in einer ernstahften Diskussion nach hinten los, wenn Anti-Hanf-Hardliner da mal nachfragen.
08.07.2010 um 18:37 Uhr | Kommentar von kiffer onanieren ständig
keine angst jungs.für den ganzen zirkus den die veranstalten,geht denen bald das geld aus.und schaut euch mal kalifornien(usa)an.wenn die im november cannabis legalisieren(und zwar richtig,nicht so\"n hick hack wie in holland) schaut die ganze westliche welt auf deren steuer einnahmen/einsparungen und alle bekommen ne feuchte hose,die sind nämlich alle geld-süchtig."dinosaurs will die",das war schon immer so,ist so und wird auch immer so sein.

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