Gedanken über Drogenpolitik, Cannabis und die Legalisierung
72 Kommentare vom 17.12.2008
Seit am Montag das Drogenreferat der Stadt Frankfurt/ Main auf einer Pressekonferenz verkündete, Spice enthalte das synthetische Cannabinoid JWH-018 überschlagen sich die Medien mit Meldungen über die "gefährliche Substanz". Mitunter wird aus Spice durch die Analyse gar eine "suchtigmachende Designerdroge".
Die Berliner CDU-Fraktion war sich noch nicht einmal zu schade, am Tag nach dem JWH-018-Fund bereits ein Spiceverbot zu fordern. Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) solle ein Verbot der auch in Berlin legal zu beziehenden Droge prüfen, forderte der gesundheitspolitische Sprecher Mario Czaja am Dienstag.
so die Nachrichtenagentur ddp.
In Wirklichkeit weiß niemand, ob der Wirkstoff JWH-018 besonders giftig oder gefährlich ist! Auch über Gewöhnungseffekte, Entzugserscheinungen oder andere Abhängigkeitsindikatoren ist nichts bekannt.
Dazu kommt, dass die wenigsten Journalisten tatsächlich einen Blick in die Analyse des Frankfurter Unternehmens THC-Pharm geworfen haben. Das will ich ändern!
Im Folgenden findest Du Zitate aus dem Schreiben, das THC-Pharm auf der gestrigen Pressekonferenz präsentierte. Da sich die Verbotsdiskussion der kommenden Wochen sicher mehrheitlich auf dieses Dokument beziehen wird, habe ich mich dazu entschlossen, es außerdem als Volltext-PDF zu Verfügung zu stellen.
Dieser Artikel soll Dir die Möglichkeit geben, möglichst gut informiert über die Risiken des Konsums von Spice zu urteilen. Ich will mich mit der Veröffentlichung ausdrücklich weder für noch gegen Spice aussprechen. Auch ich muss erst mehr wissen, bevor ich ein Urteil fällen kann, dass diesen Namen verdient.
THC-Pharm "Untersuchung des Handelsproduktes Spice" (PDF)
Untersuchung des Handelsproduktes "Spice"
...
Beauftragt durch das Drogenreferat Frankfurt widmete sich die THC Pharm der Identifizierung der aktiven Ingredienzien.Cannabinoide
Unter Cannabinoiden versteht man einerseits bestimmte Substanzen aus der Cannabis Pflanze, von denen nur das THC die typische Cannabiswirkung besitzt.
Zum anderen bezeichnet man damit Stoffe, unabhängig von ihrer chemischen Struktur, die wie THC am Cannabinoid Rezeptor (CB-Rezeptor) binden.In der Arzneimittelforschung wurden seit der Entdeckung des CB-Rezeptors hunderte bis tausende von sogenannten CB-Agonisten synthetisiert. Die überwiegende Mehrzahl wurde nie am Menschen getestet, es ist jedoch offensichtlich, dass die meisten davon auch beim Menschen Cannabiseffekte hervorrufen.
...Beurteilung
Die gefundene Substanz JWH-018 ist ein CB Rezeptor Agonist mit THC Wirkung und erklärt vollständig die durch Spice hervorgerufenen Effekte. JWH-018 wurde entwickelt in dem Versuch, die Struktur des WIN55,212-2 zu vereinfachen. Es besitzt eine ähnliche Stärke wie THC (im unteren Milligramm Bereich).
Bestimmung des Gehaltes an JWH018 in verschiedenen Spice Proben
Seit der Identifizierung der "Verunreinigung" konnten zwischenzeitlich weitere Proben untersucht werden. Diese wurden auf das Vorhandensein von JWH-018 geprüft, sowie eine ungefähre Quantifizierung vorgenommen.
Probe 1 über das Drogenreferat erhalten. Herkunft unbekannt, Aufschrift "Spice" war negativ (kein Wirkstoff nachweisbar).
Probe 2 bis 7 über Internet, jeweils Doppelproben der Sorten "Spice Gold", "Yucatan Fire" und "Arctic Synergy", von denen alle JWH-018 in unterschiedlichen Konzentrationen enthalten.Tabelle - Gehalt von JWH018 in Verschiedenen Spice Proben
Spice Probe Gehalt % Gold 1 0,5 Gold 2 0,2 Arctic Synergie 1 1,7 Arctic Synergie 2 1,8 Yukatan Fire 1 1,1 Yukatan Fire 2 1,5 Zitiert aus THC-Pharm "Untersuchung des Handelsproduktes Spice" (PDF)
Beinahe ebenso schnell, wie die Vorverurteilung von JWH-018 als "gefährliche Substanz" durch die Medien, wurde von Teilen der Spicekonsumenten der Wahrheitsgehalt der Analyse durch THC-Pharm bezweifelt.
Kritiker geben zu bedenken, dass der Dronabinolhersteller kein Interesse daran haben kann, dass mit JWH-018 ein weiteres "Cannabinoidmedikament" ins Gespräch kommt.
Sie übersehen dabei, dass es sich bei JWH-018 um eine weitgehend unerforschte Substanz handelt, die potentiell als Arzneimittel Verwendung finden könnte. Derzeit gibt es jedoch noch nicht einmal Versuche ein JWH-Präparat zur Marktreife zu bringen.
Molekülstruktur von JWH-018 laut THC-PharmAuch ich würde mich wohler Fühlen, wenn noch ein zweites oder drittes Prüfinstitut das synthetische Cannabinoid nachweisen würde. Jetzt wissen sie ja, wonach man Ausschau halten muss.
Bis jedoch das Gegenteil aktenkundig wird, bin ich bereit den Aussagen von THC-Pharm Glauben zu schenken und werde sie in meine Risikoeinschätzungen einbeziehen. Gerade zu diesem heikelsten Punkt der Diskussion über Spice sagt die Analyse jedoch nichts aus.
Pierre Markuse war so pfiffig einmal den Erfinder von JWH-018, den US-amerikanischen Chemiker Prof. John W. Huffman per Email nach seiner Einschätzung der Langzeitwirkungen von JWH-018 zu fragen. "Nebenbei" fragte er nach der Bioverfügbarkeit des Wirkstoffes beim Rauchen im Vergleich zu THC und der Potenz verglichen mit dem wichtigsten Cannabiswirkstoff.
In seiner Emailantwort, die Du in Pierres Blog unter dem Titel "Spice: JWH-018 - Email von Prof. John W. Huffman" lesen kannst, heißt es unter anderem:
Wir haben die langfristigen Auswirkungen von JWH-018 bei Tieren nie untersucht ... Es gibt keine Daten, über seine Wirkung im Menschen.
Ich (Prof. John W. Huffman - Anmerkung von Steffen) habe weder eine Ahnung über die Sicherheit oder die Toxizität dieser Substanz noch Informationen über ihre Bioverfügbarkeit.
Zitiert aus "Spice: JWH-018 - Email von Prof. John W. Huffman" von Pierre Markuse
Das Kiffermagazin Exzessiv hat mich heute "spontan" zu den Neuigkeiten rund um Spice befragt. In dem Video erkläre ich noch ein wenig mehr über die Substanz JWH-018, also schaut mal rein!
"Exzessiv - 121 - Spice: Gewürztuning?"
Bitte beachtet, dass die Aufnahme schon am 16.12. gegen Mittag gemacht wurde und mir zu diesem Zeitpunkt z.B. die Mail von Prof. John W. Huffman an Pierre noch nicht bekannt war :)
Ungeachtet der fehlenden Studien zur Wirkung des "Spicewirkstoffs JWH-018" im menschlichen Körper warnen einzelne Wissenschaftler bereits vor gefährlichen Überdosierungen mit der unerforschten Substanz.
So hält der Pharmakologe Joachim Eul konsumierte Mengen von 0,2 bis 1 mg für eine psychotrope Wirkung ausreichend, beim THC braucht man etwa 10 mal soviel.
Er warnt auf der Webseite des Institut für empirische und interdisziplinäre Drogenforschung (INEIDFO) sogar: bei ca. 0,5 g gerauchtem Spice sind dies bis 10 mg Wirkstoff, also die 10 fache wirksame Dosis (s.o.), was aufgrund dieser Überdosierung die teilweise berichteten Bad Trips einiger Spice-Konsumenten erklären dürfte.
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Am 19.05.2008 wurde ich zu einer Geldstrafe verurteilt, weil ich auf der Hanfparade 2006 "illegal Cannabis angebaut" haben soll. Dabei handelte es sich um THC-armen Nutzhanf!
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