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Steffen Geyer über Cannabis, Drogenpolitik und die Legalisierung

100.000 Menschen auf der Hanfparade?

Hanfparade 2015

Der wahre Anführer ist nicht der, der etwas tut, sondern der, der das Verlangen weckt, selbst etwas zu tun. (Edgar Pisani, franz. Politiker)

Ich werde immer wieder gefragt, „warum keine 100.000 Leute auf die Hanfparade kommen?“ Leider lässt sich diese Frage nicht mit einem Satz beantworten. Es handelt sich um ein nur mit einer Liste von Gründen zu beantwortendes Problem.

Wichtig ist zunächst, sich von der Vorstellung zu verabschieden, die “Zielgruppe” für die Demonstration seien tatsächlich vier Millionen Menschen. Für den größten Teil der KonsumentInnen ist Cannabis schlicht nicht wichtig genug. Wer nur alle paar Wochen mal nen Joint raucht, sieht die Risiken von Strafverfolgung und sozialer Ausgrenzung aus einem anderen Blickwinkel als die Täglichkiffer.
Ich gehe davon aus, dass wir mit der Forderung „Kommt für Cannabis demonstrieren“ im günstigsten Fall so 600-800.000 Menschen in Deutschland „aus der Seele sprechen“.

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Warum Kinder kiffen (dürfen müssen)

Drunken Girls, Foto Michael Sänger “Drunken Girls”
Foto: Michael Sänger

“Drogen”konsum jugendlicher Menschen ist in unserer Gesellschaft unvermeidbar! Ich finde es falsch, seine Verbreitung zum Maßstab der an Erwachsene gerichteten Drogenpolitik zu machen.

Wir alle nutzen in unserem Alltag diverse Rauschmittel von Schokolade über Kaffee/Cola/Tee bis zu Tabak und Alkohol. Dazu kommen unzählige Stimulie, denen wir erliegen, weil sie Dopamin, Endorphin oder Adrenalin ausschütten (helfen) - Manche turnen mit dem neuen Elektrospielzeug, andere mit Geschwindigkeit, dritte mit Sport bis zur totalen Erschöpfung. Die wenigsten Erwachsenen hinterfragen diese Dauerpräsenz berauschender Momente in ihrem Leben.

Dennoch wird (auch im Kreise der Legalisierungswilligen) beständig die Forderung erhoben, Kinder und Jugendliche müßten “drogenfrei” leben.

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Mit Zwang zum Flausch?

Wir bestreiten unseren Lebensunterhalt mit dem, was wir bekommen, und wir leben von dem, was wir geben. (Winston Churchill, britischer Politiker)

Liebe Flauschisten!

Ja, mitunter könnte man derzeit den Eindruck gewinnen, es gäbe vergleichsweise viel konfliktige Kommunikation innerhalb der Szene. Objektiv betrachtet ist dem aber nicht so.

Auch die “brodelnden” Konflikte sind nicht wirklich neu: irgendwer fühlt sich oder seine/ihre Arbeit nicht ausreichend gewürdigt; andere wissen aus der sicheren Perspektive des heimischen Sofas alles besser als jene “auf der Straße”; die ohne Geld gönnen denen mit Geld nix; die außerhalb etablierter Strukturen werfen denen in Organisationen vor, nur den Erhalt der Struktur im Kopf zu haben; hier und dort wird nicht die richtige Musik gespielt oder die falschen Leute “dürfen” ans Mikrophon; welchen Anteil sollten andere Substanzen in der Legalisierungsarbeit haben; wer repräsentiert wen (oder halt nicht); und überhaupt hat X schon immer gesagt, das Y doof ist… All diese Fronten gab es schon, als ich vor 13 Jahren in die Legalisierungsszene gerutscht bin.

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Kampf den rechten Trittbrettfahrern auf Legalisierungsdemos

Das war ein Vorspiel nur. Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen. (Heinrich Heine, deutscher Schriftsteller)

Kiffer gegen NazisKiffer gegen Nazis

Der gestrige Samstag stand im Zeichen des Global Marijuana March. Unter den weltweit gut 250 partizipierenden Städten fanden sich mit 16 erfreulich viele deutsche. Zwischen Hamburg und Kempten trafen sich die HanffreundInnen zu ganz unterschiedliche Aktionen - größere (Hannover) und kleinere (Plauen), bewegte (Köln) und stationäre (Dresden), neue (Bremen) und alteingesessene (Frankfurt). Gemeinsam für die Legalisierung von Cannabis als Rohstoff, Medizin und Genussmittel zu werben, war das Ziel.

In die Freude über den gelungenen Aktionstag mischt sich heute jedoch Wut. Wut über das, was in München geschah.

Das Team des Hanftags München beteiligte sich mit einer Demonstration unter dem Motto “Mia san Mia - Ob Hanf oder Bier” am GMM. Rund 200 TeilnehmerInnen schlossen sich dem Protest in der bayerischen Landeshauptstadt an.
Nun gelten im Freistaat bisweilen andere Spielregeln, aber was bei der Zwischenkundgebung auf dem Platz der Opfer des Nationalsozialismus passierte, darf nicht mit “bayrischen Verhältnissen” erklärt werden.

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Aktiv werden - aber richtig!

Nimmt man zehn Menschen und sagt ihnen Zieht!, dann drücken vier und zwei fragen Warum?(deutscher Aphorismus)

Heute ist es mal wieder an der Zeit, einen Klassiker unter den Leserfragen öffentlich zu beantworten. Als Anlass muss diesmal Maurice herhalten, der Folgendes wissen wollte.

Hey Steffen. Ich bewundere es total wie ihr euch für Psychoaktiva einsetzt. Da ich mich nun schon ein paar Jährchen damit befasse, habe ich den Entschluss gefasst, endlich auch selbst etwas für die Demokratie und damit für den fachgerechten Umgang mit Psychoaktiva zu unternehmen. Hast du eine Idee wie ich dir helfen kann?

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