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Steffen Geyer über Cannabis, Drogenpolitik und die Legalisierung

Wissenswertes zur Hanfparade 2014

Legalisierung ist die Selbstbefreiung des Menschen aus der unerkannten Knechtschaft der Prohibitionsideologie. (Steffen Geyer, deutscher Hanfaktivist)

Poster der Hanfparade 2014

Im Vorfeld zu Deutschlands größtem Legalsierungsevent, der Berliner Hanfparade, habe ich das Vergnügen, zahlreiche Medientermine wahr zu nehmen. Stellvertretend für mehrere analoge Gespräche dokumentiere ich im Folgenden ein Interview, dass ich dem Rostocker Lokalradio “Lohro” am vergangenen Wochenende gab.

Moderator: “Die Legalisierung von Cannabis - Ein umstrittenes Thema. In Deutschland ist unsere Regierung noch der Meinung, die Pflanze müsse verboten bleiben und darf weder als Medizin noch als Rohstoff und vor allem nicht als Rauschmittel benutzt werden. Auf der anderen Seite wird Hanf gerade in Amerika legalisiert. In ein paar Bundesstaaten wird seit diesem Jahr völlig legal gekifft.
Viele Aktivisten finden, dass auch in Deutschland die Zeit reif ist für legales Cannabis und deshalb gehen am kommenden Samstag in Berlin tausende Leute demonstrieren. Das Ganze nennt sich dann Hanfparade.

Wir haben Steffen Geyer angerufen, einen der Organisatoren der Hanfparade. Steffen: Warum geht ihr am Samstag auf die Straße? Warum wollt ihr Cannabis legalisieren?”

Steffen Geyer: “Der wichtigste Grund ist sicherlich, dass das Hanfverbot nicht funktioniert hat. Mehr als vier Jahrzehnte Cannabisverbot in Deutschland haben weder dazu geführt, dass der Markt für das Rauschmittel zusammengebrochen wäre, noch ist ein besserer Jugendschutz oder Ähnliches realisiert, deshalb hat sich die Hanfparade gegründet, als Bündnis von Menschen die wollen, das ein effektiverer Jugendschutz ‘ne vernünftige Qualitätskontrolle und so’was dank Legalisierung möglich wird.”

Moderator: “Jetzt gibt es mit Alkohol und Tabak aber schon schlimme legale Drogen, warum sollte man jetzt noch Cannabis dazu nehmen? Das hat doch auch seine Gefahren, oder?”

Steffen: “Ich sage immer: Nennen sie mir eine Droge, die davon ungefährlicher wird, wenn wir die Kontrolle der Mafia überlassen. Und auch beim Hanf ist es so, dass viele der negativen Aspekte des Konsums, die heute dem Rauschmittel angerechnet werden, in Wirklichkeit Folgen der Verbotspolitik sind. Wenn Jugendliche Exzesskonsum betreiben, dann machen sie das, weil sie keine Erwachsenen haben, mit denen sie darüber reden können. Wenn Menschen an Streckmitteln in Cannabisprodukten erkranken, dann passiert das nur, weil es keine Qualitätskontrollen gibt. Das sind Effekte die verdanken wir der Prohibition. Die gehören nicht ursprünglich zu der Substanz.

Es ist auch nicht so, dass wir da einen neuen Markt etablieren wollen. Wir haben in Deutschland ja mehrere Millionen Konsumenten, die trotz Verbot sich irgendwie versorgen. Wir wollen die halt an den Haaren ins Licht zerren. Wir wollen Steuern, wir wollen Sozialabgaben, einen ganz normalen legalen Markt schaffen.”

Moderator: “Und wie ist das am Samstag geplant? Wie wird dann die Hanfparade ablaufen?”

Steffen: “Samstag geht’s los auf dem Washingthonplatz. Das ist genau das Südende vom Hauptbahnhof also für Außenstehende relativ leicht zu erreichen. Danach geht es dann weiter über die Invalidenstraße zur Bundeszentrale von Bündnis 90/ Die Grünen. Da wollen wir darauf hinweisen, dass die mal angetreten sind in den 90er Jahren, uns grüne Landschaften zu bringen und diesen Versprechen aber nie irgendwie politisch Realität hinterher geworfen haben. Und danach geht es weiter zum Bundesgesundheitsministerium. Wir haben ja jetzt aktuell viel Berichterstattung über die Patienten, insbesondere über die, die in Köln vor Gericht gewonnen haben, dass sie eine Anbaugenehmigung erhalten können müssen.
Jetzt hat das Bundesgesundheitsministerium aktuell dagegen Berufung eingelegt und wir wollen die Patienten, die in Köln Recht gekriegt haben, vor dem Bundesgesundheitsministerium sprechen lassen.

Und danach dann zum großen Abschluss über die Friedrichstraße und Unter den Linden zum Brandenburger Tor. Dort ist von 16-22 Uhr eine große Abschlusskundgebung mit allem Wissenswerten über Cannabis. Wir haben ein Nutzhanfareal, wo es nur um den Rohstoff Hanf geht, vom Seil bis zum Lebensmittel. Wir haben ein Forum für Hanfmedizin, wo man mit Ärzten und Patienten ins Gespräch kommen kann; wo man mal ‘nen Musterantrag für ‘ne Ausnahmegenehmigung für Cannabis als Medizin sehen kann etc. pp. Wir haben einen großen Infomarkt, wo sich die in Deutschland aktiven Vereine und Einzelpersonen vorstellen und last but not least die große DINAFEM-Bühne mit jeder Menge Musik, politischen Reden etc. pp.

Es wird ein großes buntes Fest rund um den Hanf werden.”

Moderator: “Klingt gut. Das lohnt sich also auch für die Rostocker da nach Berlin zu kommen am Samstag?”

Steffen: “Der Weg nach Berlin ist an diesem Tag auf keinen Fall zu weit. Es kommen ja nicht nur Leute aus Rostock, sondern aus München und aus dem Ruhrgebiet. Wir werden Vertreter aus Belgien und aus den Niederlanden und aus Italien und aus Australien dahaben. Ich denke, wenn jemand 4000km Anreise schafft, dann schaffen die Rostocker auch 14 oder 40.”

Moderator: “Das dürfte zu schaffen sein.

Am kommenden Samstag dem 9. August findet in Berlin die Hanfparade statt. Dort wollen tausende Demonstranten für die Legalisierung von Cannabis auf die Straße gehen. 13 Uhr geht es am Hauptbahnhof los. Steffen Geyer vom Team der Hanfparade hatte die Infos für uns. Vielen Dank.“