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Steffen Geyer über Cannabis, Drogenpolitik und die Legalisierung

106mal Hanfaufklärung in der Grauzone - Interview mit der grow!-Redaktion

Wie kahl und jämmerlich würde manches Stück Erde aussehen, wenn kein Unkraut darauf wüchse. (Wilhelm Raabe)

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Am Randes eines Besuches des grow!-Magazins im Hanf Museum habe ich mit zwei Redaktionsmitgliedern ein Interview über 18 Jahre redaktionelle Legalisierungsarbeit geführt.

Entstanden ist die dienstälteste deutschsprachige Hanfzeitung aus einem an der TH Darmstadt veröffentlichten monatlichen Infobrief. Dieser wurde von der “Arbeitsgruppe Hanf” erstellt, die in den frühen 90er Jahren unter anderem durch “Smoke Ins” überregional bekannt wurde.

Winni Fleckner, Chefredakteur der grow!: “Für die erste Aktion rechneten wir damals [im November 1994 A.d.A.] mit rund 50 Leuten und dann kamen mehr. Viel mehr! Das Darmstädter Echo schrieb am nächsten Tag es wären 1.500 Menschen da gewesen.

Und da dachten wir uns - Wenn bei 7 Grad 1.500 kommen, wie viele kommen dann bei 20 Grad? - Und haben für Ende Mai ein weiteres Smoke In angekündigt. Das wurde dann aber zwei Wochen vor der Aktion vom Bürgermeister verboten, weil zu befürchten sei, dass auf der Veranstaltung Drogenabhängige und Drogendealer miteinander in Kontakt kommen.

Winni Fleckner und Steffen Geyer in Amsterdam Winni Fleckner und Steffen Geyer in Amsterdam

Am fraglichen Tag waren dann trotz Verbot rund 10.000 Hänflinge in der Stadt unterwegs und wussten nicht was sie wo tun sollen. Irgendwie haben sich die meisten dann auf dem Luisenplatz getroffen und das getan was ihnen blieb. Politische Inhalte waren uns ja verboten. Es gab also keine Reden, keine Flyer usw. und alles was da noch blieb war Kiffen. Was auch ausgiebig getan wurde. Für die Medien war das natürlich ein gefundenes Fressen.

Ein weniger sichtbares Ergebnis des Aktionsverbotes war der Wunsch nach Professionalisierung unseres Engagements und so wurde aus dem kleinen Infobrief die deutlich umfangreichere grow!.”

Die Erstausgabe der grow! fiel in der Hanfeuphorie der Neunziger auf fruchtbaren Boden und das 2-monatlich erscheinende Magazin wurde über Nacht zum Erfolg. Seit 1995 und mehr als 100 Ausgaben informiert grow! inzwischen über Hanfpolitik und Hanfkultur aus aller Welt sowie den Anbau der Pflanze.
Die aktuell rund 36.000 Exemplare werden dabei in aller Regel nicht nur einmal gelesen.

grow!: “Bei unseren jährlichen Befragungen schwanken die Leserzahlen zwischen vier und sieben pro Exemplar. Das freut uns natürlich sehr. Natürlich gibt es auch Leute, die die Hefte sammeln und dann niemanden ranlassen. Aber gerade unter den jungen Lesern ist es üblich, die grow! im Freundeskreis herum zu reichen.
Die sind einfach hungrig nach Wissen. Das merkt man z.B. an den Leserbriefen. Es fällt einfach vielen jungen Menschen hierzulande schwer, an vorurteilsfreie Informationen zu kommen. Sieht man einmal vom Internet ab, ist es nicht einfach in den Medien Berichte ohne politische Färbung zu finden.”

Cover des grow!-Magazins Ausgabe 5/2012 Cover des grow!-Magazins Ausgabe 5/2012

Unpolitisch ist die grow! dennoch nicht. Insbesondere dem Thema Cannabismedizin fühlt sich die Redaktion verpflichtet.

grow!: “Ich finde es beschämend, dass man sich alle möglichen Sachen verschreiben lassen kann und gegen die Nebenwirkungen gleich noch ´was, dass einem Angst und Bange wird. Und auf der anderen Seite, bei Cannabis, sagt man, dass sei eine gefährliche Droge und die kriegst du selbst dann nicht, wenn dir nichts Anderes hilft.
Erst wenn man kurz vor´m Sarg ist, darf man vielleicht auch mal Haschen. Aber vorher nicht.

Das kann ich nicht nachvollziehen und deshalb ist Cannabismedizin ein Thema, dem wir immer wieder gerne Raum in der grow! einräumen.”

Die meisten der rund 80 Seiten einer grow!-Ausgabe werden indes nicht von den festen Redaktionsmitgliedern gefüllt. Die MacherInnen verstehen das Magazin als Sprachrohr für eine Vielzahl freier Autoren.

grow!: “Wir legen sehr viel Wert darauf, nicht alles selber zu schreiben. Wir wollen Menschen, die etwas zu sagen haben, eine Plattform bieten… Öffentlichkeit verschaffen. Mitunter sind sogar aus Lesern Autoren geworden.
Und wenn jemand eine interessante Geschichte zu erzählen hat und selbst nicht schreiben kann, dann machen wir gerne auch mal ein Interview mit unbekannten Gesichtern.”

Das grow!-Magazin geht dabei gerne auch in Grauzonen - begleitet Guerillagrower oder lässt Konsumenten von Drogenselbstversuchen berichten. Manchem geht sie damit ein wenig zu weit. Zweimal versuchten selbsternannte Jugendschützer den Verkauf im Kiosk zu verbieten.

grow!: “Es ist wichtig, dass Zeitungen wie unsere frei vertrieben werden dürfen. Das gibt Hinz und Kunz die Möglichkeit, im Büdchen an der Ecke spontan zur grow! zu greifen.”

Wer es Hinz und Kunz gleich tun will, findet das grow!-Magazin im Zeitungsladen. Neue und alte Fans können verlegte, verlorene oder verpasste Altausgaben auf www.grow.de nachbestellen.

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