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Steffen Geyer über Cannabis, Drogenpolitik und die Legalisierung

Bleibens mal stehen: Spiel, Spaß und Kinderschokolade mit Berliner Polizisten

Misch dich nicht in die Angelegenheiten der Primaten ein, denn sie sind schreckhaft und leicht reizbar. (Robert Anton Wilson, US-amerikanischer Schriftsteller)

Polizei - Kann Spuren von Willkür enthalten Polizei - Kann Spuren von Willkür enthalten

Gestern abend war es mal wieder so weit. Eigentlich wollte ich ja nur von der Arbeit im Hanf Museum nach Hause, aber mitten im U-Bahnhof Alexanderplatz stand eine Gruppe junger Männer und Frauen, denen vor lauter Langeweile nichts besseres einfiel, als Berlin(besuch)er zu belästigen.
Nein, ich spreche nicht von grölenden Fußballfans, dezent angetrunkenen Punks oder den unterm Fernsehturm gern zahlreich präsenten, aber eigentlich harmlosen Emos. Mein Problem waren weder missionierende Krishnajünger, noch ob unterirdisch schlechter Youtubevideos radikalisierte Angehörige der Umma…

Kleiner Hinweis: Die diesmal gesuchte Jugendgruppe zeichnet sich modisch durch Einfallslosigkeit aus und neigt zu exzessiver (aktiver wie passiver) Bewaffnung.

Was sich da gestern in Rotten am Bahnhof herumtrieb und Passanten schikanierte, waren schlicht: frisch geschlüpfte Ordnungshüter! Wie dies jedes Jahr hunderttausendfach in Deutschland passiert, wurde ich zum “Opfer” einer “verdachtsunabhängigen Personenkontrolle”.
Angeführt von Nr. 44358 der Hauptstadtgendarmen richtete sich die Aufmerksamkeit der vier Mann und zwei Frauen starken Spezialeinheit “Feierabendversauen” auf meine langen, fast noch roten [Ja, ich muss mal wieder färben, aber das kostet halt auch Geld - A.d.A.] Haare. Gleich eines von Eisenliebe übermannten Magneten zog es Nr. 44358, der schon von weitem an pfaufenrädlerisch präsentierten, silbern glänzenden Epauletten als der Anführer der Gruppe auszumachen war, auf mich zu. Der nun mit mir zu führende Händel ward von Nr. 44358 als günstige Gelegenheit erkannt, den (weiblichen) Gruppenmitgliedern zu imponieren und mal eben zu zeigen, wo der Femel hängt.

Wohl um den Überraschungsmoment nicht zu verlieren, rief mir der Anführer des uniform gekleideten Primatenrudels ein “Bleiben´s mal stehen!” entgegen. Einer Aufforderung, der ich mit Vergnügen nicht nachkam, wollte ich doch die dadurch entstehende Zeit äußerlicher Unruhe dazu nutzen, mich innerlich auf ein wenig symbolisches Scheißewerfen unter männlichen Hominiden ein zu stellen. Ich lief also ohne auf den unerwünschten Zuruf zu reagieren gemächlichen Schrittes weiter auf die Gruppe zu. Ein Verhalten, das mit den typischen Primatenreaktionen auf eine Verletzung des Territoriums belohnt wurde. Am Ruck der nun durch die gesamte Gruppe ging, hätte Roman Herzog sicher seine Freude gehabt.

Dienstnummer 44358 Dienstkarte mit der Nr. 44358

Die vier Männchen richteten sich in ihre schönste Imponierstellung auf und sogar die Vertreterinnen des oftmals als schwächer diffamierten Geschlechts versuchten durch aufstellen der Schultern und präsentieren der martialischen Werkzeugsammlung den Eindruck von Stärke zu vermitteln, wie ihnen dies noch vor wenigen Wochen in der Aufzuchtstation gelehrt wurde.

Ich wollte meinem Unterbewusstsein keine Zeit geben, auf die zur Schau gestellte Provokation primatig zu reagieren und so entfaltete ich stattdessen vor meinem geistigen Auge den Spickzettel “Spaß mit Polizisten”.

Statt auf einen weiteren akustischen Freiheitsentzug zu warten, sprach ich Nr. 44358 entsprechend Regel Nr. 1 “Initiative gewinnen” selbst an. Mit einem “Was gibt´s denn?” nahm ich das Heft des Handelns in die Hand und brachte den in ein Alphamännchenkostüm gewandeten Befehlsempfänger aus dem Konzept. Dass ihm deshalb der Satz “Ich sagte, sie sollen stehen bleiben.” entfleuchte, obwohl ich längst vor ihm stand, ließ erste Risse in der Fassade staatlichen Gewaltmonopols erahnen.

Dieses Momentum hieß es zu nutzen und so brachte ich Regel Nr. 2 “Mitwirkung verweigern” ins Spiel und erklärte prophylaktisch schon einmal “Ich verweigere gemäß § 136 StPO die Aussage!” “Ja, aber…” war die dankbare Reaktion und nur ein wirklich sehr unaufmerksamer Zuschauer hätte die knapp zehn Sekunden Pause bis zum “…das ist hier ein gefährlicher Ort und wir dürfen sie trotzdem durchsuchen.” übersehen.

Apropos Zuschauer - Bisher hatte ich Regel Nr. 3 “Öffentlichkeit schaffen” noch gar nicht angewendet. Eigentlich wäre an dieser Stelle ein söllnersches “Sucht´s wieder nen jugendlichen Terroristen, der mit nem Mofa ohne Auspuff rumfährt?” angebracht gewesen, aber so spontan viel mir nur ein, laut “Muss das sein, ich habe Feierabend.” zu rufen. Zumindest war ich mir nun sicher, dass die folgende Identitätsfeststellung sowie Inspizierung meiner Habe auf “Waffen, Drogen und gefährliche Gegenstände nach §21 (2) 1. a aa ASOG” von im Zweifel polizeikritischen Augen und Ohren beobachtet wurde.

Dass ich mich gemäß Regel Nr. 2 nicht an der Durchsuchung meiner Sachen beteiligte, war zu diesem Zeitpunkt wohl nicht nur mir klar. Gut zehn Minuten brauchte das uniformierte halbe Dutzend, um zwischen Museumsflyern, aktuellen Ausgaben von Hanf Journal, Soft Secrets, grow-Magazin und meinem Rechenknecht nach “Bösem” Ausschau zu halten. Erfolg hatten sie damit zu ihrem sichtlichen Bedauern nicht… Der betriebene Aufwand hätte sich aber selbst dann nicht gelohnt, wenn sie die 0,5 Gramm Berliner Biomarihuana in meiner Hosentasche gefunden hätten.

Als kleines Abschiedsgeschenk und Erinnerungshilfe für Mußestunden lies ich mir am Ende von Nr. 44358 sein Dienstkärtchen aushändigen und versprach, seinen heldenhaften Einsatz für die Sicherheit in Deutschland zu gegebener Stunde öffentlich zu würdigen. Dies sei hiermit geschehen.