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Steffen Geyer über Cannabis, Drogenpolitik und die Legalisierung

Next Exit Hanftag 2010

Leittransparente sind eine prima Fotokulisse. Also habe ich mich mit Matthias Meyer getroffen, um ein duftes Transparent für den Hanftag 2010 zu basteln.
Nebenbei erzählen wir euch, was es für letzte Neuigkeiten über die Berliner Demonstration zum GMM zu wissen gibt.

Außerdem losen wir den Gewinner des Buches “Rausch und Terror” aus.

Der Hanftag 2010 kämpft für die Legalisierung von Cannabis als Rohstoff, Medizin und Genussmittel. Damit ihr euch trotz des durchwachsenen Wetters auf den Weg macht und rechtzeitig eintrefft, hier nochmal unser Tagesprogramm.

Programm des Hanftag 2010

Vorderseite des Flyers zum Hanftag 2010 Vorderseite des Flyers zum Hanftag 2010

Wie ihr dem Programm entnehmen könnt, darf auch ich mich am Hantag 2010 mit einer Rede zu Wort melden. Und damit auch diejenigen unter euch etwas davon haben, die nicht live dabei sein können, gibt es die im Folgenden zum Nachlesen.

Rede von Steffen Geyer für den Hanftag 2010

Liebe Hanffreundinnen und Freunde, Mitstreiter im Kampf für die Legalisierung von Cannabis.

Es freut mich, dass ich heute zu euch sprechen kann, denn es ist leider keine Selbstverständlichkeit, dass wir das letzte Jahr überstanden haben, ohne im Gefängnis zu landen.
Mehr als 130.000 Mal klickten in den letzten zwölf Monaten Handschellen am Arm eines Kiffers. Alle drei Minuten wird in Deutschland ein Mensch entrechtet, nur weil er sich für eine andere Droge - für Cannabis entschieden hat.

Dieser Wahnsinn muss aufhören!

Kein Staat, keine Regierung, kein Polizist - hat das Recht, mir vorzuschreiben, was ich mit meinem Körper tue.

Niemand, kein Staatsanwalt, kein Richter und erst Recht kein Politiker darf Kranken ihre Medizin verbieten, jugendliche Kiffer wie Schwerstkriminelle behandeln oder mich und 4 Millionen andere deutsche Genußkiffer als Süchtige diffamieren. - Ich sage: Weg mit dem Hanfverbot!

Macht Schluss mit Menschenjagd, Ausgrenzung und Substanzfaschismus! - Nie wieder Prohibition, nie wieder Drogenkrieg!

Hoffnung im Mutterland der Prohibition

Rückseite des Flyers zum Hanftag 2010 Rückseite des Flyers zum Hanftag 2010

Ein Jahr ist vergangen, seit wir uns zum ersten Mal an dieser Stelle trafen, um für ein Ende des Hanfverbots zu demonstrieren. Ein Jahr das ebenso reich an guten, wie an schlechten Nachrichten war.

Gute Nachrichten erreichten uns 2009 vor allem aus den USA. Immer lauter wird dort über die Legalisierung nachgedacht.

In mehr und mehr Staaten des Mutterlands der Prohibition gibt es legales Medical Marihuana. Im Herbst dürfen die Bürger Kaliforniens sogar darüber abstimmen, ob sie Qualitätskontrolle, Jugendschutz und Steuereinnahmen - kurz ob sie einen legalen Hanfmarkt oder Gefängnisse, Drogenkrieg und millionenfaches Leid wollen.

Wir stehen an der Schwelle einer neuen Epoche - Die Tür zur Legalisierung von Cannabis war in den vergangenen 40 Jahren noch nie so weit geöffnet. Trotzdem oder gerade deshalb dürfen wir uns nicht ausruhen, dürfen nicht nachlassen unser Recht einzufordern.

Die Prohibitionisten und ihre Handlanger, seinen sie Polizisten, Richter oder “Wissenschaftler” vom Schlage eines Doktor Thomasius werden sich mit Händen, Füßen und Zähnen gegen die längst überfällige Aufhebung des Hanfverbotes wehren.
Ihre verzweifelten Bemühungen die Wiedergeburt der Pflanze Hanf als Rohstoff, Medizin und Genussmittel zu verhindern, richten sich mehr und mehr gegen jene, die sie als “Anführer” der Legalisierungsbewegung ausgemacht haben.

Den Opfern staatlicher Zwangsmaßnahmen, dem von Abschiebung bedrohten kanadischen Aktivisten Marc Emery, dem wegen seines Engagements für medizinisches Cannabis inhaftierten US-Amerikaner Eddy Lepp und dem von einer langen Haftstrafe bedrohten Vater des Global Marijuana March Dana Beal rufe ich zu - Wir werden uns nicht einschüchtern lassen. Wir werden kämpfen, bis auch der letzte unserer Freunde wieder in Freiheit ist, bis niemand mehr fürchten muss, wegen ein paar Hanfpflanzen im Knast zu landen.

Wir kämpfen für Hanf und mit Hanf! Wir tragen die Wut der unzähligen Hänflinge in Haft in uns. Sie ist uns Ansporn und Mahnung zugleich… Nie wieder darf auf deutschem Boden ein Joint ausgehen!

Vom Protest zum aktiven Widerstand

Die Journalistin Ulrike Meinhof hat gesagt: “Protest ist, wenn ich sage, dies und jenes gefällt mir nicht. Widerstand ist, wenn ich sage, ich nehme das nicht mehr hin. Ich kämpfe, weil ich mich sonst mitschuldig mache.”

Ich sage euch - unser Protest - diese Demo - das ist längst nicht genug, um gegen die milliardenschwere Lobby der Pharmariesen, Chemiekonzerne und Brauereien zu bestehen.

Es reicht nicht zu sagen - Das Hanfverbot ist falsch! - Wir müssen jeden Tag und immer wieder dafür kämpfen, als das wahrgenommen zu werden, was wir sind - Keine Schmuddelkinder, keine Süchtigen, keine Kriminellen, sondern Menschen die ihr Recht auf Rausch einfordern.

Ich verspreche euch. Ich werde den Prohibitionsdinosauriern keine ruhige Minute gönnen! Ich werde gegen ihre menschenverachtende Politik Widerstand leisten - Heute, Morgen und Übermorgen! Noch mögen sie lachen, aber Tag der Befreiung vom Hanfverbot ist nah!

Jack Herers Erbe - Unsere Verpflichtung

Bevor ich die Bühne freigebe, möchte ich euch bitten mit mir einen Moment an Jack Herer zu denken.

Jack, Autor der inoffiziellen Hanfbibel “The Emperor wears no Clothes”, einer der aktivsten Kämpfer für die Legalisierung von Cannabis, erlag am 15. April den Folgen eines Schlaganfalls.

So traurig sein Tod ist und so groß die Lücke, die seit seinem Aufbruch in eine andere Welt in der Bewegung klafft, auch sein mag. Wir dürfen uns nicht entmutigen lassen!

Jack Herer hatte sein Leben der Pflanze Hanf verschrieben, er hat damit viele Menschen in aller Welt, auch mich, inspiriert. Er hätte nicht gewollt, dass sein Tod uns lähmt.

“Trauert nicht, den ich lebe weiter. Lebe weiter in jedem, der für Cannabis auf die Straße geht. Ich bin bei euch, solange noch irgendwo auf dem Planeten ein Joint kreist oder ein Vaporizer süßlichen Geruch verströmt” - so oder so ähnlich wären Jacks Worte, wenn er jetzt in eure Gesichter blicken würde.

Jack Herer hätte nicht gewollt, dass wir ihm Schweigen widmen. Stattdessen rufe ich euch dazu auf, ein dreifach “Hemp Hemp Horray” erschallen zu lassen, dass er noch auf seiner Wolke hört.

Hemp Hemp Horray!

Danke.

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