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Steffen Geyer über Cannabis, Drogenpolitik und die Legalisierung

Spice-Hersteller Opfer einer Verschwörung?

Logo des Spice-Herstellers the Psyche Deli Logo des Spice-Herstellers the Psyche Deli

Seit einigen Wochen suche ich die Wahrheit über Spice. Dabei habe ich unter anderem eine Laboranalyse in die Finger gekriegt, aus der hervor geht, dass Spice Diamond gefährliche Lösungsmittel enthält.
Diese “Erkenntnisse” habe ich mit meinen Lesern geteilt und deshalb die (zugegeben) provokante Frage “ist Spice gefährlicher als Klebstoff schnüffeln?” gestellt.

Nicht allen, passte diese Formulierung und so erhielt ich in kürzester Zeit viele Kommentare, die den von mir gezogenen Schluss ablehnten. Einige kritisierten die Analyse derart heftig, dass ich mich gezwungen fühlte, zu erklären, warum das Konsumrisiko trotz Analyse unklar ist.

Nun hat sich der Spice-Hersteller the Psyche Deli bei mir gemeldet und möchte seinen Teil zur Aufklärung beitragen. Er sieht sich und die Headshops, die Spice verkaufen, als Opfer einer Verschwörung eines österreichischen Unternehmens.

Ich habe die Email des Spice-Herstellers ins deutsche übersetzt, damit meine Leser über den gleichen Informationsstand wie ich verfügen. Da ich kein amtlicher Dolmetscher bin, biete ich außerdem die Originaldokumente an. Im Zweifel gilt der englische Text! Wer Übersetzungsfehler findet, sollte sie mir mitteilen :)

the Psyche Deli

Wie viele andere hast Du vermutlich einen anonymen Brief erhalten, der ein Analyseergebnis (mit geschwärzten Teilen) enthält. Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese Analyse von unserem ehemaligen Vertriebspartner Bush Planet (Stivi oder Stefan Wolyniec) und seinen Freunden stammt.

Das Motiv für die anonyme Analyse:

Wie Du in den angefügten Dokumenten lesen kannst, war Bush Planet unser Spice-Vertriebspartner für Österreich, bis wir ihm seine Verkaufrechte (wegen des Vertriebs von Produktfälschungen) entzogen. Wir schickten ihm die angehängten Briefe, in denen wir seine Verkaufsberechtigung beendeten, weil er Produktfälschungen verkaufte, und den Vertrieb an andere Händler gaben, die seine Konkurrenten und Rivalen sind. Wir drohten im außerdem damit, dass wir ihn wegen der Produktfälschungen vor Gericht bringen würden.
Im Ergebnis dürfte Bush Planet weder Spice noch die Produktfälschungen verkaufen. Danach war Stivi Wolyniec sehr wütend und begann Spice-Produkte zu verleumden. Er kontaktierte die Medien und verursachte eine Menge schlechte Publicity.

Das Motiv für die Handlungen Stivi Wolyniecs ist klar; unser ehemaliger Vertriebspartner will Rache. Schon früher hat Bush Planet Spice-Analysen im gleichen Wiener Labor durchführen lassen. Stivi Wolyniec ist ein guter Bekannter des Labors. Wir haben die entsprechenden Dokumente angehängt. Wenn Du die beiden Dokumente vergleichst, ist es offensichtlich, dass der anonyme Brief aus der gleichen Quelle stammt.
Also warum verschickt der “anonyme Sender” anonyme Briefe, anstatt sich mit einem unterschriebenen Brief an die Medien zu wenden?

Wir sind sicher, dass dieses Dokument für die Massenmedien erschaffen wurde und bereits einen negativen Medienwahn ausgelöst hat. Diese Verleumdung wird nicht nur das Produkt Spice treffen, sondern auch die Headshop-Branche schädigen. Viele Headshops profitieren vom Spice-Verkauf und werden von der schlechten Presse geschädigt werden. Durch das Senden anonymer Briefe, vorgetäuschte Kritik aus der Branche und Gerichtsverfahren wegen Verleumdung.

Die Bedeutung der anonymen Analyse:

Beachte, dass die erste Analyse gemacht wurde, bevor Bush Planet seine Vertriebsrechte entzogen wurden. Diese Analyse nennt keine Lösungsmittel, weist, im Gegensatz zum anonymen Dokument, jedoch einen Vanilleanteil nach. Jeder der sich mit Spice vertraut macht, wird bemerken, dass Spice Diamond Vanille enthält. Dennoch wurde es in der anonymen Analyse nicht gefunden. Wohin ist es verschwunden?

Es ist offensichtliche, dass Stivi Wolynlec weiterhin versucht Spice zu verleumden. Auch bleibt fraglich, was genau er dem Labor gab. Spice Diamond ohne Vanille ist kein Spice Diamond.
Es gab schon viele Spiceanalysen und bei keiner wurden organische Lösungsmittel, Ethylacetat und Toluol gefunden. Wie Du siehst sogar vom selben Labor.


Im Folgenden ein Kommentar zum Analysebericht, geschrieben von den Spiceproduzenten

Kommentar zum 2. Analysebericht

Die GC/MS-Analyse einer komplexen phytochemischen (auf Pflanzenstoffen basierend - Anmerkung des Autors) Mischung ist keine exakte Wissenschaft. Die Identitäten der Zutaten einer komplexen Mischung wie Spice können sehr leicht fehlinterpretiert werden.

Die Analyse nennt die Prozent-Konzentrationen der Bestandteile des Produkts nicht. Doch die Konzentration der aufgeführten Komponenten ist für die Diskussion über die Sicherheit des Produkts wichtig. Selbst wenn alle aufgeführten Stoffe enthalten wären (was extrem unwahrscheinlich ist), stellen sie in sehr kleinen Mengen (Spuren) wahrscheinlich kein Problem dar. Konzentration und Menge sind hier die wesentlichen fehlenden Informationen.

Es sieht so aus, dass Fehler bei der Durchführung der GC/MS-Analyse, falsche Interpretation der GC/MS-Daten und Spuren von Komponenten, die die Aromaindustrie üblicherweise verwendet, die meisten der hier aufgeführten Inhaltsstoffe erklären können. Die Möglichkeit, dass gar nicht unser Produkt analysiert wurde, könnte erklären, warum wesentliche Inhaltsstoffe wie Vanille nicht bei der Analyse gefunden wurden. Die Vanillesignatur erklärt normalerweise einen der größten Ausschläge einer GC/MS-Analyse und ist etwas, dass jeder finden könnte, der Spice analysiert. In Kombination mit der Schwärzung der Information über denjenigen, der die Analyse durchgeführt hat und dass die Person, die den Bericht verbreitet sich hinter anonymen Veröffentlichungen versteckt, deutet dies auf Hintergedanken.

Die Person, die die Analyse verbreitet, ergänzt sie mit einem begleitenden Brief, der behauptet, Spice würde große Mengen Lösungsmittel enthalten und sei sehr gefährlich. Spice ist schon mehr als 4 Jahre auf dem Markt und wurde ohne Beschwerden über Lösungsmittel oder andere Probleme verkauft. Wenn wie im Brief behauptet tatsächlich große Mengen Lösungsmittel in Spice wären, gäbe es Berichte über sich entzündendes und entflammtes Spice geben, da die meisten Lösungsmittel leicht entflammbar sind. Lösungsmittel haben typischerweise einen starken und unangenehmen Geruch, der leicht entdeckt werden würde, wenn man am Produkt riecht. Wir sind sicher, dass unser Produkt nicht einmal Spuren gefährlicher Lösungsmittel enthält. Wie haben viel Aufmerksamkeit und Geld in die Produktion investiert, nur Lebensmittelalkohol wird zur Kräuterextraktion verwendet, um sicher zu stellen, dass keine Rückstände gefährlicher Lösungsmittel im Produkt zurückbleiben. Zu behaupten, dass Spice mit dem Schnüffeln von Lösungsmitteln vergleichbar wäre ist lächerlich, würde es nicht so leicht von den Medien geglaubt und verbreitet und Menschen, die sich mit den technischen Aspekten der Analyse nicht so gut auskennen.

Zusammengefasst ist dies eine sehr unvollständige und unrichtige Information um das Produkt zu beurteilen und sollte nicht als Fakt genommen werden. Die wichtigsten Fakten, wie der Beweis der richtigen Identität der Interpretation der GC/MS-Daten und die Konzentration der gefundenen Inhaltsstoffe fehlen. Die meisten der gefundenen Stoffe sind sichere Aromazusätze, wie sie in der Geschmacksindustrie eingesetzt werden.
Keiner der aufgeführten Stoffe stellt in Spuren eine toxikologische Gefahr dar.


1. Ethanol: Ja, es ist sehr wahrscheinlich in Spuren vorhanden. Lebensmittelalkohol wird während des Kräuterextraktionsprozesses benutzt, um die Spice-Extrakte herzustellen. Es ist daher nicht überraschend, dass Spuren davon darin gefunden werden. Diese werden durch unvollständige Trocknung des fertigen Produkts verursacht.

2. Ethylacetat: Da wir es nicht benutzten ist es unmöglich, dass es vom Extraktionsprozess stammt. Wahrscheinlich stammt es von der Ausgangskräuterverarbeitung. Ethylacetat ist einer der gewöhnlich in Wein gefundenen Ester, ein Produkt das während der Fermentierung von Wein aus flüchtigen Essigsäuren und Ethylalkohol entsteht. Einige unserer Kräuter werden während der Grundstoffverarbeitung fermentiert, was dies möglicherweise erklären könnte.

2. 3-Methylbutanol: Da wir es nicht benutzten, ist es unmöglich, dass es vom Spice-Extraktionsprozess stammt. Es stammt möglicherweise von der Ausgangskräutermischung, wenn es eine unbekannte Komponente der kommerziellen Aromamischung ist, die zur Herstellung der Ausgangskräuter verwendet wurde. Es wird im Allgemeinen als Aromazutat benutzt, was es erklären könnte. Es besteht auch die Möglichkeit, dass dies ein Ergebnis fehlerhafter Interpretation der GC/MS-Fragmente pflanzlicher Komponenten des Extrakts ist. Ohne weitere detaillierte Informationen über die Testmethode, die Ausrüstung und die Säulenkondition ist dies schwer einzuschätzen.

3. 2-Methylbutanol: Da wir es nicht benutzten, ist es unmöglich, dass es vom Spice-Extraktionsprozess stammt. Es stammt möglicherweise von der Ausgangskräutermischung, wenn es eine unbekannte Komponente der kommerziellen Aromamischung ist, die zur Herstellung der Ausgangskräuter verwendet wurde. Es wird im Allgemeinen als Aromazutat benutzt, was es erklären könnte. Es besteht auch die Möglichkeit, dass dies ein Ergebnis fehlerhafter Interpretation der GC/MS-Fragmente pflanzlicher Komponenten des Extrakts ist. Ohne weitere detaillierte Informationen über die Testmethode, die Ausrüstung und die Säulenkondition ist dies schwer einzuschätzen.

4. 1,2-Propandiol: Da wir es nicht benutzten, ist es unmöglich, dass es vom Spice-Extraktionsprozess stammt. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass es von den Ausgangskräutern oder dem Ausgangskräuterextrakt stammt, aber es ist möglich, wenn es eine unbekannte Komponente der Aromen ist, die bei den Ausgangskräutern verwendet wurden. Propandiol gilt gemeinhin als sicherer Lebensmittelzusatz.

5. Toluol: Da wir es nicht benutzten, ist es unmöglich, dass es vom Spice-Extraktionsprozess stammt. Wir glauben nicht, dass es sich hierbei um ein genaues Testresultat handelt. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass es von den Ausgangskräutern oder dem Ausgangskräuterextrakt stammt. Es gibt eine große Wahrscheinlichkeit, dass es das Ergebnis eines GC/MS-Fehlers oder von GC-Fragmenten von Pflanzenmaterial im Kräuterextrakt ist. Ohne weitere detaillierte Informationen über die Testmethode, die Ausrüstung und die Säulenkondition ist dies schwer einzuschätzen. Toluolspuren stellen keine toxikologische Gefahr da. Es ist ein verbreitetes Nebenprodukt der Verbrennung von Pflanzenmaterial wie Tabak.

6. Hexanal: Höchstwahrscheinlich ist es Teil der Aromen die für die Ausgangskräuter verwendet werden, da es in der Aromaindustrie genutzt wird um fruchtige Aromen herzustellen. Hexanal gilt gemeinhin als sicherer Lebensmittelzusatz.

7. Cyclohexanon: Da wir es nicht benutzten, ist es unmöglich, dass es vom Spice-Extraktionsprozess stammt. Wir glauben nicht, dass es sich hierbei um ein genaues Testresultat handelt. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass es von den Ausgangskräutern oder dem Ausgangskräuterextrakt stammt. Es gibt eine große Wahrscheinlichkeit, dass es das Ergebnis eines GCM/MS-Fehlers oder von GC-Fragmenten von Pflanzenmaterial im Kräuterextrakt ist. Ohne weitere detaillierte Informationen über die Testmethode, die Ausrüstung und die Säulenkondition ist dies schwer einzuschätzen. Obwohl Cylohexanon in hohen Dosen als gefährlich gilt, ist es ein verbreitetes Nebenprodukt der Verbrennung von Pflanzenmaterial wie Tabak.

8. Heptanal: Höchstwahrscheinlich ist es Teil der Aromen die für die Ausgangskräuter verwendet werden, da es in der Aromaindustrie genutzt wird um fruchtige Aromen herzustellen. Hexanal gilt gemeinhin als sicherer Lebensmittelzusatz.

9. Hexansäureethylester: Höchstwahrscheinlich ist es Teil der Aromen die für die Ausgangskräuter verwendet werden, da es in der Aromaindustrie genutzt wird um fruchtige Aromen herzustellen. Hexanal gilt gemeinhin als sicherer Lebensmittelzusatz.

Unit 4, Archway Business Centre, 19-23 Wedmore Street, London. N194RU | info@thepsychedeli.co.uk
Registriert in England & Wales unter dieser Adresse als the Psyche Deli IIp | Company IOC305039 | VAT Reg′d as #832728814

Zusammenfassung der Argumente

Der Spice-Hersteller sieht die Analyse, die mich zum Artikel “ist Spice gefährlicher als Klebstoff schnüffeln?” motivierte als Teil einer groß angelegten Verschwörung, deren Ausgangspunkt das Unternehmen “Bush Planet” aus Wien sein soll.

The Psyche Deli behauptet, Bush Planet habe ein befreundetes Labor eine Kräutermischung testen lassen, von der Bush Planet behauptet, es handele sich um “Spice Diamond”. Tatsächlich könnte das Fehlen von Vanille in der Liste der gefundenen Stoffe ein Hinweis auf eine Manipulation sein.

Die Kommentare des Spice-Herstellers zu den gefundenen Lösungsmitteln und Aromastoffen, scheint mir jedoch nur auf den ersten Blick Grund zur Erleichterung zu sein.

Noch immer sind die eigentlichen Wirkstoffe und Wirkmechanismen unbekannt. Immer noch scheint es so, als enthalte Spice (Spuren von) Lösungsmitteln, die nicht zum Image der harmlosen, rein pflanzlichen Kräutermischung passen wollen.

In Wirklichkeit scheint Spice eine Mischung verschiedener chemisch-mechanisch wirkstoffpotentierter Extrakte aus Kräutern zu sein, die lediglich auf eine pflanzliche Trägersubstanz aufgebracht wurden.

Folgt man der Argumentation des Herstellers, dann ist der Vergleich des Konsums von Spice und des Schnüffeln von Klebstoff tatsächlich abwegig. Die realen Risiken und Nebenwirkungen von Spice sind aber dennoch völlig ungeklärt.

Auch der Hinweis “das gibt es schon 4 Jahre und es ist noch keiner tot umgefallen” befriedigt mich in dieser Hinsicht nicht. Wie lange wurden Häuser mit Asbest gedämmt, bevor seine Gesundheitsgefahr erkannt wurde?

Hersteller sollte Informationspolitik überdenken

Es ist beschämend, dass the Psyche Deli bis heute zu allen Fragen bezüglich der Inhaltsstoffe und Wirkstoffe schweigt. Sogar die Webseite wurde abgeschaltet! Dabei hatte sich die Firma einmal das Gegenteil auf die Fahnen geschrieben.

The Psyche Deli will continue to oppose ignorant and draconian prohibition of demonstrably safe entheogens.

Mit ihrer gegenwärtigen Nicht-Informationspolitik bestärkt der Spice-Hersteller all jene, die lieber verbieten als zu beraten und schadet jenen, die lieber aufklären statt zu verfolgen!

P.S. Natürlich informiere ich Bush Planet über die von the Psyche Deli erhobenen Vorwürfe. Bin mal gespannt, ob und wie die reagieren :)