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Steffen Geyer über Cannabis, Drogenpolitik und die Legalisierung

Weiß der Geyer? Drogenpolitischer Talk zum Mitmachen

Wäre es da nicht einfacher, die Regierung entließe das Volk und wählte sich ein neues? (Bertolt Brecht, deutscher Dramatiker)

Am kommenden Montag veranstalte ich zum zweiten Mal einen Google Hangout mit Studiogästen, der live auf Youtube gestreamt wird, spontanen Mitdiskutanten offen steht und sich weitgehend ohne konkrete Agenda mit den Themen Rauschpolitik und Ekstasekultur beschäftigt.
Weil ich mein Herz in den Wendetagen unrettbar an die Kraft der direkten Demokratie verloren habe, ließ ich “euch” über den Namen des jungen Projektes entscheiden. Und das hab ich nun davon…

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Wir leben Legalisierung!

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. (Deutsches Sprichwort)

Cover der Sonderausgabe des Hanf Journals zur Hanfparade 2013 Cover der Sonderausgabe

Der folgende Artikel erschien zuerst in der Sonderausgabe des Hanf Journals zur Hanfparade 2013.

Hanfparade ist, was dabei rauskommt, wenn eine handvoll Livebands, ein Dutzend Paradewagen, doppelt so viele Redner, rund hundert Aktive sowie ein paar Tausend Teilnehmer einen Samstag miteinander verbringen. Am nächsten Tag berichten zwei, drei Lokalzeitungen von den Festnahmen und nach dem Spiel ist vor dem Spiel.
Wer die Geschichte der “größten deutschen Demonstration für die Legalisierung von Cannabis als Rohstoff, Medizin und Genussmittel” derart zusammenfasst, ist zwar nicht nett, sagt aber die Wahrheit.

Die Hanfparade ist dennoch mehr als nüchterne Statistik. Hanfparade ist die Magie die passiert, wenn tausende Menschen gemeinsam für freies Cannabis “das Maul aufmachen”. Hanfparade ist das Gefühl, das Richtige zu tun, auch wenn es die da oben per Gesetz zum “Falschen” erklären.
Hanfparade ist der vom Krümel “Selbstgestricktes” gebaute Joint, die erste Bong nach sechs Monaten MPU-Abstinenz, der kurze Moment der Freiheit beim Betreten eines Coffeeshops.

“Hanfparade” ist kein Ort. Die Teilnahme an der Demonstration ist lediglich der äußere Ausdruck eines im Inneren gegangenen Weges. Sie ist der bewusste Schritt auf die Seite derer, die das Unrecht des Hanfverbots nicht still ertragen. Die Hanfparade ist der Mut, den inneren Weg vom “mir passiert schon nix” zum “ohne mich passiert ja doch nix” zu gehen und anderen davon zu berichten. Hanfparade ist, sich für die Legalisierung von Cannabis entschieden zu haben.

Die Hanfparade, die am 10. August unter dem Motto “Meine Wahl? Hanf legal!” in Berlin stattfinden wird, ist bereits die 17. ihrer Art. Kinder, die Mitte der Neunziger bei den ersten öffentlichen Gehversuchen der neuen Legalisierungsbewegung gezeugt wurde, sind inzwischen alt genug, um selbst für ihren Hanfgebrauch ins Gefängnis zu gehen. Manch einer, der die größte deutsche Cannabisdemo besucht, verschweigt dies Eltern, die eigene Paradeerfahrungen haben.

In breiten Köpfen ist mehr Platz für Toleranz Mehr Platz für Toleranz - Hanfparade 2005 (große Version)

Eine Besuchergeneration nachdem 1997 zehntausende “Legalisierung jetzt!” forderten, ist das gesellschaftliche Klima noch immer nicht kifferfreundlich. Noch immer versterben Patienten weil Cannabis kein normales Medikament ist, klagen Hanfbauern und Verarbeiter über nicht enden wollende bürokratische Gängelei.
Vielen, insbesondere den jüngeren Paradisten scheint der Weg bis zur Legalisierung deshalb noch allzu weit. Dabei leben wir längst in der Epoche der “Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf”. Es “dampfmaschint”, wenn die Zeit der Dampfmaschine gekommen ist und im Moment “legalisierts”.

Die Zeit der Prohibitionisten läuft unerbittlich ab. Mit den US-Bundesstaaten Colorado und Washington, deren Bürger sich in demokratischen Wahlen für die Hanffreigabe aussprachen ist das Thema “War on Drugs” im “freihesten Land der Erde” eigentlich durch. Ähnlich wie dies in den letzten zwei Jahrzehnten mit “Medical Marijuana” geschah, wird legaler Genusshanf die USA nun Jahr für Jahr, Staat um Staat wieder zu einer Hanfnation machen. Und ohne den größten Geldgeber der internationalen Hatz auf Kiffer sind die Jobs in Anti-Drogenbehörden bald ebenso beliebt wie die Aktien einer Bad Bank.

Kommt Zeit, kommt Legalisierung wäre trotzdem zu früh gefreut. So unvermeidlich der Weg scheint, gehen müssen wir ihn selbst. Und wer erlebte, wie die Legalisierungswelle der Neunziger am Spiegeltitel von der “Seuche Cannabis” brach, weiß um die Stolpersteine scheinbar einfacher politischer Wege.

Anders als vor zehn Jahren scheint die deutsche Szene diesmal aber bereit, den Rückenwind von “übern Teich” zu nutzen. Nie war die Anzahl der Aktiven hierzulande größer, nie beteiligten sich mehr Städte am GMM. Mit Cannabis Social Clubs, Coffeeshops, Drogenfachgeschäften sowie der gesetzlichen Gleichstellung mit Tabak liegen politische Konzepte für Heute und Übermorgen bereit. Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik gab es deshalb so viel Cannabisdiskussionen vor und in den Parlamenten.

Die Hanfparade 2013 wird die politische Debatte über die Legalisierung, das neue Selbstvertrauen und die wiedergewonnene Kraft der Szene auf die Straße tragen. Wenige Wochen vor der Bundestagswahl werden Tausende in Berlin zeigen, dass sie ihre Wahl getroffen haben, dass ihre Antwort auf die Frage “was wählen?” nur eine sein kann: “Meine Wahl? Hanf legal!”


Das sind die ENCOD-Regeln für Cannabis Social Clubs

Es stimmt nicht, dass kein Kraut gegen Dummheit wächst. Sie lassen es uns nur nicht anpflanzen.

Logo der Cannabis Social Clubs

Während der Vollversammlung des europäischen Netzwerks drogenpolitischer NGOs ENCOD, die am vergangenen Wochenende in Bermeo (Spanien) stattfand, verabschiedeten die Deligierten ein europaweit einheitliches Regelwerk für Cannabis Social Clubs.

Dieses Regelwerk habe ich im Folgenden ins Deutsche übersetzt.

Ich empfehle die Lektüre als Vorbereitung auf den 2. drogenpolitischen Live-Hangout, der sich am 8. Juli u.a. mit CSCs beschäftigen wird.

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Von einem der auszog, das Streamen zu lernen

Es ist mir ein großes Vergnügen, im deutschen Fernsehen rauchen und Alkohol trinken zu dürfen. (Christopher Lauer, deutscher Politiker)

Gestern habe ich einen Gedanken Tat werden lassen, der schon beinahe ein Jahr durch mein Gehirn geistert. Ich war bzw. bin auf der Suche nach einer Brücke zwischen dem überwiegend in Berlin gesammeltem Aktivistinnen- Know How und den glücklicherweise wie Pilze im ganzen Land sprießenden Neuaktiven. Im Gegensatz zu den vielfach etablierten “Frontalunterrichtsformaten” ala Tagesrausch, wollte ich direkt mit den Zuschauern interagieren. Und das wenn es irgend geht, ohne groß Geld in die Hand nehmen zu müssen.

Kommt Zeit, kommt Rat - Nach diversen Experimenten hatte ich auf dem Berliner Treffen zur Etablierung von Cannabis Social Clubs (CSC) in Deutschland endlich eine funktionierende Kombination aus Hard- und Software gefunden. Es mangelte mir also nur noch am passenden Tag und ebensolchen Erstausstrahlungsgästen.

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Gedanken zum Protestkiffen auf der Hanfparade

I smoke pot and i like it a lot. (Keith Stroup, US-amerikanischer Hanfaktivist und Gründer von NORML)

Poster der Hanfparade 2013Poster der Hanfparade 2013
(große Version als PDF)

Die inzwischen 17. Hanfparade rückt mit Riesenschritten näher. Kaum sieben Wochen trennen uns noch von “Deutschlands größter Demonstration für die Legalisierung von Cannabis als Rohstoff, Medizin und Genussmittel”, die am 10. August in Berlin stattfinden wird.
Anders als in den Vorjahren wird heuer glücklicherweise nicht darüber diskutiert, ob man den hingehe. Die Hanfparade scheint sich endlich wieder als fester Termin in die Kalender der Szene gebrannt zu haben. Statt über das “Ob?” wird über das “Wie?” gestritten. Wie soll man das Demomotto “Meine Wahl? Hanf legal!” mit Leben füllen?

Der Bremer Rauchgerätehersteller, Lebemann und Perückenträger Ziggi Jackson beteilgte sich mit einer provokanten Frage an der Diskussion, die ich, da sie in unterschiedlichem Gewand immer wieder gestellt wird, öffentlich beantworten möchte. Ziggi fragte seine Fans:

Was würde eigentlich passieren, wenn wir alle auf der Hanfparade kiffen würden? Würde Merkel uns alle verhaften lassen?

Ich fang meine Antwort am besten von hinten an.

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