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Steffen Geyer über Cannabis, Drogenpolitik und die Legalisierung

Mehr Jugendschutz dank Legalisierung?

Ich bin der Grund, warum sich jeder selber hinter sich verschanzt. Guten Abend lieber Freund… Ich bin deine Angst. (Floh Söllner, deutscher Liedermacher)

Vor ein paar Tagen erhielt ich elektronische Post und weil die darin von Floh Söllner, seines Zeichen eine Hälfte des Liedermacherduos Rauschzeichen, aufgeworfene Frage so oder so ähnlich immer wieder gestellt wird, beantworte ich sie im Folgenden einfach mal öffentlich.

Lieber Steffen,

ich denke in letzter Zeit einiges über eine Frage nach: Es wird oft das Argument benutzt, dass eine Regulierung oder Legalisierung von Hanf den Jugendschutz verbessert und den Zugang für Jugendliche erschwert… Was meinst du dazu? Ich denke es würde sich doch ähnlich wie beim Alkohol so einpendeln, dass trotzdem wieder jeder 14-Jährige drankommt.

Beschäftigt mich, weil ich mich frage, ob dieses Argument stichhaltig genug ist, dass man es benutzen sollte.

Lieben Gruß, Floh

Lieber Floh

Selbst wenn sich die Legalisierung negativ auf das Einstiegsalter auswirken würde (und die Beispiele Niederlande, Portugal und Tschechien sprechen eher dagegen), würde sich der Jugendschutz verbessern.

Gerade Jugendliche Konsumenten profitieren von vorhersagbaren Wirkstoffgehalten und kontrollierter Qualität (Streckmittel etc.). In einem Drogenfachgeschäft wäre außerdem eine Art Beipackzettel / Warnhinweis auf den Packungen, der den Zugang zu Hilfsangeboten erleichtert.
Apropos Hilfsangebote - Viele Abhängigkeitserkrankungen unter Jugendlichen könnten vermieden oder abgemildert werden, wenn die Jugendlichen vor dem ersten Konsum angstfrei mit ihren Eltern und anderen Vorbildern kommunizieren könnten. Oder Jugendliche z.B. mit dem Umfeld ehrlich über potentiell abhängigkeitsgefährdete Freunde sprechen könnten.

Der entscheidende Rechtsunterschied - Wenn auf einem legalen Markt gegen den Jugendschutz verstoßen wird, dann richtet sich die staatliche Intervention gegen den Händler. Bei illegalisierten Rauschmitteln wird hingegen auch der Konsument Opfer staatlicher Gesundheitspolitik.

Last but not least - Das Cannabisverbot verhindert den Zugang zu einer vielseitigen, nebenwirkungsarmen, günstig und lokal herzustellenden, natürlichen Medizin, die im Zweifel auch die Leben von Kindern und Jugendlichen retten könnte.
Leben, die im Übrigen auch darunter leiden, wenn Papa oder Mama wegen des privaten Hanfgenusses Probleme kriegen (Job, Geld, Jugendamt, Führerschein, Knast usw. usf.).

In der Summe wären Kinder und Jugendliche voraussichtlich weit weit überwiegend Legalisierungsgewinner - Zumindest diese Angst kannst du getrost gelegentlich mal auf die stille Treppe schicken :)

Mit hanfigen Grüßen, Steffen

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  4. Nichtkonsumenten als Opfer polizeilicher Maßnahmen
  5. Steuereinnahmen vs. Verfolgungskosten
  6. Schwarzgeld aus dem Drogenmarkt unterminiert die Finanzwirtschaft
  7. Drogengeld finanziert Geheimdienste und Terror
  8. Illegale Drogenproduktion verursacht (Umwelt)Schäden
  9. Der Zugang zu Drogen rettet Leben
  10. Last but not least