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Steffen Geyer über Cannabis, Drogenpolitik und die Legalisierung

Meine Geschichte der Hanfparade 1997-2000

Riesenjoint -Legalize it- auf der Hanfparade 1997“Legalize it” auf der Hanfparade 1997

Am 07.August findet in Berlin die 14. Hanfparade statt. Für die Augustausgabe des Hanf Journals habe ich meine ganz persönliche Sicht auf die Geschichte Deutschlands größter Legalisierungsveranstaltung niedergeschrieben.

Für meine Leser habe ich zusätzlich noch meine ganz persönlichen Lieblingsbilder der langen Hanfparadengeschichte dazu gepackt :)

1997 - Legalisierung jetzt! Mit Hanf in die Zukunft

Als ich mich 1997 auf den Weg zur ersten Hanfparade machte, schien es als würde die Legalisierung von Cannabis als Rohstoff, Medizin und Genussmittel allerhöchsten noch bis Übermorgen auf sich warten lassen.

Zehntausende strömten damals in die deutsche Hauptstadt, um dieses Gefühl des nahen Triumphs gemeinsam zu zelebrieren.

“Legalisierung jetzt! Mit Hanf in die Zukunft” hieß die Losung des Tages, die wir nicht als politische Forderung sondern vielmehr als Beschreibung kommender Tage empfanden.

1998 - Der Kampf geht weiter

Hanfparade 1998 Blick auf das Brandenburger Tor Blick über die Hanfparade 1998 am Brandenburger Tor (große Version)

Auch ein Jahr später, mitten im Wahlkampf zwischen Zigarre und Birne …ehm… Schröder und Kohl, glaubten wir fest daran, unser Schicksal selbst in den Händen zu halten. Das gerade in Kraft getretene Hanfsamenverbot betrachteten wir lediglich als letzte Zuckungen des sterbenden Repressionsapparats.

“Der Kampf geht weiter” war damals das Motto der mit weit über 50.000 Teilnehmern größten Hanfparade. Fünfzigtausend Kiffer vereint und ohne Angst, wer sollte uns jetzt noch aufhalten?

Großartige Zeiten waren das, von denen wir “Alten”, den “Nachgeborenen” mit einer Träne im Auge und einem seligen Lächeln auf den Lippen erzählen.

Als Schröder die Wahl gewonnen hatte und die Koalitionsverhandlungen für das erste Rot-Grüne Bündnis auf Bundesebene begannen, wurde schnell klar - Das Schicksal der 4 Millionen deutschen Kiffer ist für SPD und Bündnis 90/ Die Grünen nicht mehr als “Verhandlungsmasse”.

Die Enttäuschung über die Untätigkeit der Menschen, die uns nur wenige Wochen vorher noch die Legalisierung versprachen, wog schwer. Nicht einmal das Samenverbot wollten Schily und Co wieder aufheben! Schock und Wut waren damals die vorherrschenden Reaktionen der Hanfszene.

1999 - Mit Hanf in die Zukunft

Zahlreiche Transparente auf der Hanfparade 1999 Ein Meer von Transparenten auf der Hanfparade 1999 (große Version)

Doch wir glaubten weiter fest daran, dass unser Engagement den Unterschied machen kann. Immerhin wollte Rot-Grün noch ein paar Jahre an der Macht bleiben. Wir mussten sie also nur immer und immer wieder an ihre Versprechen erinnern und die Zeiten würden hanfiger werden.

Wir wollten weiter “Mit Hanf in die Zukunft”, auch wenn dies Tag für Tag weniger wie eine Gewissheit und ein bisschen mehr nach Wunschtraum klang.

Nach der Euphorie der ersten Jahre schmeckte 1999 doppelt bitter. Dazu trug auch das große Sterben bei, das in Folge des Verbots des lukrativen Samenhandels unter den Headshop in Stadt und Land grassierte. Der Geldbeutel saß bei Hanffreunden längst nicht mehr so locker, das merkte man auch der Hanfparade an, die erstmals auf eine große Bühne verzichten musste.

2000 - Legalize it globally!

Was würden sie wählen... Hanfparade 2000

Was würden Sie wählen, wenn sie die Wahl hätten, zwischen einem anständigen Joint und einem verlogenen Politiker?

Clevere Frage auf der Hanfparade 2000 (große Version)

“Wem des eigen Haus zu eng, den zieht es in die Fremde” und so setzte die Hanfparade im Jahr 2000 auf die Unterstützung internationaler Aktivisten und Sponsoren.

“Legalize it globally!” hatten wir uns auf die Fahnen geschrieben und diesseits wie jenseits des großen Teichs Gleichgesinnte gefunden. Mit frischem (Niederländischen und Schweizer) Geld und neuen (US-amerikanischen und Kanadischen) Ideen wollten wir das Jahrhundert des Hanfs einläuten.

Ein Ereignis wurde die Parade - Leider jedoch erst durch einen Sturm, der sich das Prädikat “Jahrhunderhagel” redlich verdiente, indem er mit golfballgroßen Geschossen in wenigen Minuten die komplette Bühnentechnik zerstörte.

Immerhin sorgten die weit geöffneten Himmelsschleusen nebenbei für einen der ganz besonderen Momente der Hanfparadegeschichte. Getrieben von Wind, Hagel und Regen flüchteten die Besucher scharenweise in die einzigen überdachten Objekte weit und breit. Nie wieder waren deutsche Kiffer so froh Polizisten und ihre Fahrzeuge zu sehen.

To be continued…

Die Geschichte der Hanfparade war im Jahr der großen Zwei noch lange nicht an ihrem Ende. Der zweite Teil meines Rückblicks auf die Geschichte der größten Legalisierungsdemonstration Deutschlands beschäftigt sich mit den Hanfparade 2001-2005.

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