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Steffen Geyer über Cannabis, Drogenpolitik und die Legalisierung

Laboruntersuchung: Spice gefährlicher als Klebstoff schnüffeln?

Mir liegen die Ergebnisse einer qualitativen GC/MS-Analyse der Kräutermischung Spice Diamond vor, aus denen hervorgeht, dass viele Bestandteile extrem gefährliche Lösungsmittel sind!

Glaubt man dem Analyselabor (und aus meiner Sicht besteht kein Grund an der Objektivität der Einrichtung zu zweifeln), dann enthält Spice gesundheitsschädliche und suchterzeugende Chemikalien.

Spice-Hersteller äußert sich zu Vorwürfen!

Der Spiceproduzent “the Psyche Deli” hat sich in einer umfangreichen Email zu den Lösungsmittelfunden in Spice Diamond geäußert. Ich bitte Dich deshalb, auch den Artikel “Spice-Hersteller Opfer einer Verschwörung” zu lesen, bevor Du Dir eine Meinung über die Risiken des Konsums von Spice bildest!

Spice Diamant - Vorderansicht der Verpackung Spice Diamant

Das Analyseverfahren

Ein Laboratorium für Kriminaltechnik und forensische Chemie hat eine Packung “Spice Diamond” mittels Gaschromatografie und Massenspektrometrie auf ihre Inhaltsstoffe getestet.

Bei dem Verfahren wird die Probe erhitzt und die entstehenden “Dämpfe” so mit Elektronen oder Methan-Ionen beschossen, dass sich je nach den vorhandenen Molekülen spezifische Datenmuster ergeben. Mit dem Verfahren, dass auch für Drogentest oder Dopingproben verwendet wird, kann man selbst kleinste Stoffmengen (unterhalb von 0,1 ng) nachweisen.

Qualitative GC/MS-Analyse der Kräutermischung Spice Diamond

Wir haben die Kräutermischung “Spice Diamond” mittels GC/MS-Analyse nach SPME-Beprobung untersucht.

Befund

Als Hauptkomponenten können Ethanol, Ethylacetat. 3-Methylbutanal 2-Methylbutanal, 1,2-Propandiol, Toluol, Hexanal, Cyclohexanon, Heptanal und Ethylesterhexansäure identifiziert werden.
Daneben finden sich noch eine Reihe von aliphatischen und aromatischen Aldehyden sowie weitere nicht näher identifizierbare Verbindungen.
Die Analyse ergab keinen Hinweis auf Substanzen in Bezug auf das SMG.

Besonderes Hauptaugenmerk wurde auf das Vorhandensein von THC gelegt, dessen Anwesenheit jedoch ausgeschlossen werden kann, da die Extraktion der THC-charakteristischen Massen kein Ergebnis brachte.

Daten zur Prüfungsdurchführung

Probe (1,1g) im 20ml Headspace-Vau 4h bei 100°C konditioniert Blindwert wie Probe, jedoch nur 2h bei 100°C konditioniert 30 min Beprobung auf SPME-Faser.

Da mein Wissen in organischer Chemie nur rudimentär ist, habe ich über die im Prüfbericht ausgewiesenen Stoffe recherchiert.

Spice Diamond - Inhaltsstoffe und ihre Wirkung

Die im Folgenden beschriebenen Eigenschaften und Risiken geben deshalb nur meinen gegenwärtigen Wissensstand wieder. Über kritische Anmerkungen insbesondere von Pharmazeuten, Apothekern oder Chemikern wäre ich dankbar.

Ethanol
umgangsprachlich auch einfach Alkohol, wird hier wohl als Lösungsmittel eingesetzt. Die Suchtprobleme und Gesundheitsrisiken, die von Alkohol ausgehen sind weitgehend bekannt und müssen deshalb an dieser Stelle nicht noch einmal wiederholt werden. Darüber hinaus ist die beim Spicekonsum aufgenommene Dosis offensichtlich sehr gering.
Ethylacetat
ist eines der am häufigsten eingesetzten Lösungsmittel in Klebstoffen. Die Substanz ist denn auch für den typischen Geruch von Klebstoffen verantwortlich.
Der Gebrauch von Ethylacetat als Rauschmittel ist insbesondere in Südamerika verbreitet. Die Bilder Klebstoff schnüffelnder Kinder stehen nicht nur dort für Verelendung und mannigfache Krankheiten. Konsumenten müssen insbesondere mit schweren Hirnschäden rechnen. Der Stoff ist so giftig, dass er das am häufigsten eingesetzte Tötungsmittel bei der Präparation von Insekten wurde.
3-Methylbutanal
ist ein in großen Dosen unangenehm riechender Aromastoff, der Haut, Augen und Schleimhäute reizt. Darüber hinaus geht keine unmittelbare Gefahr von dem Stoff aus.
Sehr hohe Dosen haben sich im Tierversuch als giftig erwiesen. Ein gestiegenes Krebsrisiko oder gar eine Erbgutschädigung konnten jedoch nicht nachgewiesen werden.
2-Methylbutanal
ist eine farblose Flüssigkeit mit starkem Uringeruch. Sie ist stark reizend! In kleinen Dosen wird sie als Aromastoff verwendet und findet sie sich z.B. in Schokolade und Zigaretten.
1,2-Propandiol
wird auch Propylenglykol genannt. Es ist ein Lösungsmittel, das als Weichmacher in vielen Kosmetikprodukten vorkommt. Als Lebensmittelzusatz trägt es die Nummer E1520. Propandiol findet sich in fast allen Tabakprodukten und wird neuerdings sogar in der Milchwirtschaft eingesetzt.
Toluol
ist eine gesundheitsschädliche nach Benzin riechende Flüssigkeit, die natürlich in Erdöl vorkommt. Geringe Mengen Toluol finden sich bedingt durch den Straßenverkehr auch in der Luft.
Die Liste der möglichen Folgeschäden durch den Konsum von Toluol ist erschreckend lang. Toluol verursacht immense Gesundheitsschäden. Besonders wenn es wie im beim Spicekonsum üblich über die Atemwege aufgenommen wird (rauchen) verursacht es neben Nerven- und Nierenschäden auch toxische Lungenödeme.
Die Inhalation von Toluoldämpfen kann zu Müdigkeit, Unwohlsein, Empfindungsstörungen, Störungen der Bewegungskoordination und Bewusstseinverlust führen. Bei regelmäßigem Kontakt kann es zu einer Toluolsucht kommen.

Toluol reizt Augen und Schleimhäute schwer und steht in dem Verdacht erhebliche Schäden an ungeborenen Kindern zu verursachen, wenn es von der Mutter konsumiert wird.

Hexanal
ist ein natürlicher Aromastoff, der in kleinen Mengen in Fruchtsäften und Arzneimitteln vorkommt. Einatmen, Verschlucken oder Aufnahme über die Haut kann zu Gesundheitsschäden führen. Reizt die Augen, Atmungsorgane und die Haut.
Cyclohexanon
ist eine farblose, wasserklare Flüssigkeit, deren Geruch an Aceton erinnert. Cyclohexanon ist besonders beim Einatmen gesundheitsschädlich und kann Schwindelanfälle und Kopfschmerzen bis zum Koma hervorrufen.
Darüber hinaus reizt es Augen, Haut und Schleimhäute.
Heptanal
ist eine die Augen, Atem- und Verdauungswege reizende Flüssigkeit, die man eigentlich in Lacken und Farben findet. Fortgesetzter Konsum führt zu chronischen Gesundheitsschäden.
Hexansäureethylester
ist ein Aromastoff mit einem fruchtigen Duft und wird für die meisten natürlichen Aromen verwendet.

Wie gefährlich ist Spice Diamond?

Warnhinweis - reizend gesundheitsschädlich Warnhinweis: Reizend, gesundheitsschädlich

Angesichtst der Laboranalyse bleibt nur vom Spicekonsum dringend abzuraten!

Gerade die Bestandteile Ethylacetat und Toluol machen schon die vom Hersteller vorgesehene Verräucherung zu einem Gesundheitsrisiko. Wer Spice Diamond raucht, geht das Risiko schwerer Nieren-, Leber- und Atemwegsschäden ein.

Konsumenten müssen außerdem mit irreparablen Hirnschäden rechnen. Da die wichtigsten Bestandteile Lösungsmittel sind, erwarte ich Schäden, die mit dem Schnüffeln von Klebstoff oder Fleckenentferner zu vergleichen sind.
Als Langzeitschäden sind also Kontrollverlust, schizoide Persönlichkeitsänderungen, sowie Sprach- oder Gangstörungen zu erwarten.

Auch das Abhängigkeitsrisiko ist immens! Dies gilt umso mehr, da Spice Diamond Aromastoffe enthält, die die natürlichen Abwehrreflexe (Husten) dämpfen und den Lösungsmitteltypischen Geruch und Geschmack überdecken.

Spice-Hersteller äußert sich zu Vorwürfen!

Der Spiceproduzent “the Psyche Deli” hat sich in einer umfangreichen Email zu den Lösungsmittelfunden in Spice Diamond geäußert. Ich bitte Dich deshalb, auch den Artikel “Spice-Hersteller Opfer einer Verschwörung” zu lesen, bevor Du Dir eine Meinung über die Risiken des Konsums von Spice bildest!

Spice rauchen gefährlicher als Klebstoff schnüffeln?

Zu diesen Nebenwirkungen und Risiken kommen bei Konsum von Spice noch die üblichen Folgen des Rauchens. Besonders beim Gebrauch von Spice als Ersatz für Marihuana droht eine Coabhängigkeit von Nikotin.

Es mag zynisch klingen, aber wenn Spice Konsumenten statt zum überteuerten Räucherwerk zur billigen Tube UHU greifen würden, wäre dies vermutlich weniger gesundheitsschädlich.

Also: Finger weg von Spice, wenn Dir Deine Gesundheit lieb ist!